Die Tagesschau hat am Ostermontag in der Hauptnachrichtensendung um 20:00 Uhr einen fragwürdigen Beitrag aus dem Iran gesendet, der in gekürzter und veränderter Form am Dienstagmorgen im Koma lief. Beide Versionen warfen Fragen auf, die der Sender jetzt teilweise beantwortete.
Wegen mehrerer irritierender Auffälligkeiten werfen Social-Media-Nutzer der ARD vor, dass sie sich von iranischen Regime einen fabrizierten Filmbeitrag hat andrehen lassen. Der Beitrag soll eine Lehrerin mit dem Namen Sepideh zeigen, die 45 Jahre alt sein soll. Sie wohne in einer kleinen Kellerwohnung, heißt es in dem Beitrag. Auffällig ist jedoch, dass die „kleine Kellerwohnung“, die eher spartanisch eingerichtet ist, mit einer schweren und modernen Hochsicherheitstür (Hersteller: Alem ECO, Kosten: ca. 300 Euro, im Iran drei Monatsgehälter) ausgestattet ist. Die Tür hat mehrere moderne Schlösser und Bolzen. Vermutungen, die Tür könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich bei der Wohnung nicht um die „kleine Kellerwohnung“ bzw. Souterrainwohnung einer einfachen Lehrerin handelt, sondern vielmehr um ein „Safe House“ des iranischen Geheimdienstes.Dem trat die ARD auf Anfrage von NIUS mit der Antwort entgegen, man habe in der Privatwohnung der Frau gedreht, deren Biografie und ihre Lebensumstände dem Team des ARD-Büros Teheran „seit langem bekannt und sorgfältig nach allen journalistischen Standards überprüft“ worden seien. Irritationen hatte auch die Frage nach der Urheberschaft der Filmbeiträge ausgelöst. Der Beitrag am Montagabend wird der für das ARD-Studio in Istanbul tätigen Katharina Willinger zugeschrieben (sie bekam den 60. Grimme-Preis 2024 für die Besondere Journalistische Leistung, namentlich „für ihre Berichterstattung aus der Türkei und dem Iran“). In dem im moma gezeigten Beitrag wird jedoch der Name Tereza Bora eingeblendet – die ebenfalls in Istanbul ansässig ist.
Willinger wird in der Tagesschau noch aus Istanbul zugeschaltet. Hierzu erklärte der Bayerische Rundfunk (BR), das Material stamme vom Team des ARD-Büros Teheran, das „mit wenigen, fest angestellten örtlichen Journalisten und Medienschaffenden“ zusammenarbeite. Die Kopoperation sei „seit vielen Jahren vertrauensvoll“. Allerdings ist in dem Beitrag kein ARD-Mikrofon zu sehen, das sonst bei Interviews eigentlich immer im Bild ist.
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