Tichys Einblick: Herr Knabe, Sie haben ein neues Buch veröffentlicht im Langen Müller Verlag: „Tag der Befreiung?“, mit dem wichtigen Hinweis eines Fragezeichens versehen. Und Ihre These ist, dass Ostdeutschland 1945 nicht befreit wurde, sondern nahtlos in eine andere Diktatur übergegangen ist. Wie konnte das funktionieren?
Hubertus Knabe: Ja, ich habe mich immer gewundert, wie man dazu kommen konnte, die Installierung einer neuen Diktatur als Befreiung zu kennzeichnen. Das hat die DDR zur Genüge getan. Dort war der 8. Mai ein Feiertag. Die meisten Leute empfanden das eigentlich als Zynismus pur: eine Diktatur, in der ich nicht sagen kann, was ich will, als Befreiung zu bezeichnen und die, die diese Diktatur gebracht haben, auch noch als Befreier zu feiern. Das ist das eigentliche Thema dieses Buches, wie die Zerschlagung des Nationalsozialismus nahtlos überging in die Installierung einer neuen Diktatur.
Und viele wissen eben nicht, dass das mit Entnazifizierung wenig zu tun hatte, sondern dass dieselben Methoden in Polen, der Tschechoslowakei, in der Ukraine, im Baltikum und anderswo angewandt worden sind, zur Gleichschaltung dieser Gesellschaften: Massenverhaftungen, Lager, Hinrichtungen und so weiter.
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