Kaum war der Fall Fernandes/Ulmen öffentlich, lief im Bundesjustizministerium bereits die Begleitmusik. Nicht in einer regulären Pressekonferenz, sondern in einem exklusiven Hintergrundgespräch mit ausgewählten Journalisten. Genau das berichtet der Tagesspiegel jetzt exklusiv. Kurz nach den „Enthüllungen“ über das Ex-Paar, das aber vielen tragenden Akteuren schon monatelang bekannt war, habe Justizministerin Stefanie Hubig zu einer besonderen Runde über „digitale Gewalt“ geladen. Der Sprecher des Ministeriums bestätigte dem Tagesspiegel ein „Presse-Hintergrundgespräch“ am Vormittag des 25. März 2025 zum Thema „Entwurf eines Gesetzes gegen digitale Gewalt“. Aus dem Vorgang mache ihr Haus bis heute ein Geheimnis. Allein diese Tatsache spricht Bände. Wer reine Sachaufklärung betreiben will, braucht kein solches Halbdunkel. Wer eine politische Linie setzen will, schon.
Denn die Frage springt sofort ins Auge: Wozu brauchte eine Justizministerin mitten in einem offenen, hochumstrittenen und medial maximal aufgeladenen Fall ein solches Hintergrundformat überhaupt? Die Antwort liegt inzwischen ziemlich nackt auf dem Tisch. Der Fall sollte offenkundig von Anfang politisch verwertet werden. Aus den Vorwürfen gegen Christian Ulmen wurde in Windeseile ein Vehikel für Hubigs Gesetzesvorhaben gegen „digitale Gewalt“ gestrickt werden. Der Tagesspiegel hält ausdrücklich fest, dass Hubig den Fall offenbar zum Anlass nahm, um für Gesetzentwürfe zu werben, die wesentlich auf Deepfakes zielen. Gleichzeitig war schon früh unklar, ob der konkrete Fall überhaupt sauber in diese Deepfake-Schiene passt.
Erst wurde gezielt der Eindruck geschürt, es gehe um Deepfake-Pornografie mit Collien Fernandes als Protagonistin. Der Tagesspiegel schreibt nun selbst, tatsächlich gehe es mutmaßlich eher um Fake-Accounts, über die Sexbilder mit Personen verschickt wurden, die der Schauspielerin ähnlich sehen, dazu um Vorwürfe häuslicher Gewalt. Ulmens Anwalt wirft dem Spiegel einseitige Berichterstattung vor und will Teile der Darstellung gerichtlich untersagen lassen. Mit anderen Worten: Während der Sachverhalt an zentralen Punkten unscharf blieb oder sogar wegrutschte, lief die politische Maschine schon auf Hochtouren. Genau dafür braucht man dann Hintergrundgespräche: nicht zur Aufklärung, sondern zur Rahmung.
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