Zu der kalkulierten, durchchoreografierten und trotzdem sehr unerfolgreichen Linksreaktion auf die Stadtbild-Bemerkung von Friedrich Merz gehörte die Flutung der Plattform X mit generischen Memes, die jeweils aus historischen Fotos bestand, kombiniert mit einem kurzen Text. Ein Post zeigt beispielsweise ausgebombte Deutsche in einer Ruinenstraße nach einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg und dem Pseudodialog: „Mama, wie konnte das damals nur passieren?“ „Wir wollten ein anderes ‚Stadtbild‘, mein Kind.“ In einer Wortmeldung des ehemaligen RBB-Zuarbeiters Sebastian Hotz auf X marschiert die Wehrmacht durch Berlin, der Kommentar lautet: „Wie sich Friedrich Merz ein ansprechendes Stadtbild vorstellt“.
Ohne es selbst zu merken, führen diese und andere progressiven Kämpfer ihre Weltvorstellung in konzentrierter Form vor. Entweder, so lautet ihre Botschaft, akzeptiert die Bevölkerung das von ihnen geprägte und genau so gewollte Stadt- und Landbild, zu dem Betonsperren um jedes Volksfest gehören – die beim Vielfaltsfest in Solingen allerdings nicht halfen –, außerdem Messerverbotszonen, Männergruppen in Parks und auf Bahnhofsvorplätzen, Aufmärsche im Stil von Ramallah, die aber in Berlin stattfinden, Besetzungen von Universitäten durch einen hamasfreundlichen Mob unter den Augen einer islamistenfreundlichen Universitätsleitung, Veranstaltungen an Hochschulen mit geschlechtergetrennter Sitzordnung, dazu auch noch Erklärungen regierender Politiker, dass es für Antisemitismus keinen Platz gibt und wir uns unsere Art zu leben keinesfalls nehmen lassen.
Entweder also, so lautet die Quintessenz, das – oder Wehrmachtsknobelbecher und zerbombte Städte. Damit markieren die Anhänger dieses Weltbilds zwei Extreme, die sich durch eine zwar nicht unmittelbare, aber auch nicht ganz ferne Verwandtschaft auszeichnen. Für eine übergroße Mehrheit im Land liegt der erstrebenswerte Zustand genau dazwischen. Wer sich die Augen nicht absichtlich zuhält, der sieht, mit welchen Leuten sich eine Gesellschaft zwischen diesen Extrempunkten vielleicht erhalten lässt, und mit wem garantiert nicht.
Was Merz, der inzwischen schon wieder halb zurückruderte, mit ‚Stadtbild‘ meint und was nicht, wissen alle. Auch die Empörungsbeauftragten. Auch die „Eltern“, „Omas“ und öffentliche Angestellte gegen rechts, die am Wochenende vor dem Brandenburger Tor mit ihren Handylampenfackeln „Wir, wir, wir sind das Stadtbild“ und „Die Brandmauer hoch“ skandierten. Wobei „die Brandmauer hoch, die Reihen fest geschlossen“ noch einen historischen Tick besser gepasst hätte.
Es handelte sich übrigens um eine nahezu reinweiße Almanveranstaltung, abgehalten auf einem Platz, der in Berlin wie das eine aufgeräumte Zimmer in einer Messi-Wohnung wirkt. Warum finden Kundgebungen dieser Güte nicht auf der Sonnenallee statt, also an der politischen Basis des Stadtbildners, der ab nächstem Jahr die Hauptstadt regieren könnte?
Die Antwort lautet: Weil die Marschierer für das eine Extrem dort womöglich auf ein Stück Stadtbild stoßen, an dem sie mit größter Anstrengung vorbeisehen müssen, um ihre Kampfmoral nicht zu gefährden.
Es gibt übrigens nicht wenige Migranten, die sich zum einen an diesen Stadtbildern stören, und zum anderen wissen, dass Merz nicht sie meint – also diejenigen, die ausdrücklich in einem westlichen und geordneten Staat leben möchten. Genau diejenigen müssen sich von Linksweißdeutsch öffentlich zurechtweisen lassen, in diesem Fall von einem „Volksverpetzer“-Typ, weil sie sich nicht in eine Inszenierung einfügen, die für einen großen Teil des politisch-medialen Raums mittlerweile die real existierende Gesellschaft ersetzt.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











