Ist Versöhnung nach dieser Corona-Politik möglich?

vor mehr als 1 Jahr

Ist Versöhnung nach dieser Corona-Politik möglich?
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Es ist jetzt ungefähr ein Jahr vergangen, seit die letzten Corona-Maßnahmen in Deutschland endeten. Erst ein Jahr – man muss sich dies vergegenwärtigen, da es im allgemeinen Bewusstsein doch schon recht fern liegt. Andere Krisen haben übernommen. Die Coronazeit scheint, jedenfalls auf den ersten Blick, wie hinter einem Schleier der Vergangenheit. Ein Schleier, den zumindest weite Teile der Politik auch gerne noch dichter weben würden: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer etwa äußerte Anfang 2023, das sei damals alles eben so entschieden worden, und man solle jetzt seinen Frieden mit der Sache machen. Die gleiche Formulierung wählte übrigens schon Gesundheitsminister Karl Lauterbach im August 2022, als er Coronamaßnahmen verteidigte: das sei eben so.

Aber so einfach ist es nicht. Manche Ereignisse werfen längere Schatten als andere. Es gibt den Begriff des „schwarzen Schwans“: Damit sind sehr seltene, unerwartete und unwahrscheinliche Ereignisse gemeint, die aber, wenn sie denn doch eintreten, massive Auswirkungen haben (beispielsweise die Angriffe vom 11. September 2001). Zu Beginn der Coronazeit waren einige Stimmen schnell zur Stelle, die betonten, dass es sich bei Corona gerade nicht um einen schwarzen Schwan handle, da das Auftreten eines neuen Virus eben etwas sei, womit man rechnen müsse. Diese Stimmen waren später weniger zu hören, und der Grund dafür ist mittlerweile auch deutlich geworden: Viren treten immer wieder auf – aber der Umgang mit ihnen ist menschengesteuert. Nicht das Virus war der schwarze Schwan – aber der Umgang mit ihm schon. Wir haben es in der Hand, wie wir auf Viren reagieren, als Gesellschaft, als Staat, als Einzelne. Und diese Reaktion war, in aller Vorsicht formuliert, ausgesprochen unverhältnismäßig, und zwar besonders in Deutschland – und genau deswegen ist so viel Vertrauen verloren gegangen.

Nicht alles kann hier rekapituliert werden, eine ausführlichere Bilanz habe ich bereits im März 2023 in einer dreiteiligen Artikelserie im „Cicero“ gezogen. Aber wie stellt sich die Lage jetzt, Anfang 2024, ein Jahr nach dem Ende der Maßnahmen, dar? Einige Punkte können mittlerweile kaum noch bestritten werden:

Zum einen hat Schweden die geringste Übersterblichkeit über die Krise hinweg. Das Land, auf das während der Krise mit einer unglaublichen Vehemenz, sogar mit Nazi-Vergleichen, eingeschlagen wurde, ist in einer Weise in seiner liberalen Coronapolitik bestätigt worden, die kaum überbetont werden kann. Die Verantwortlichen in Schweden, insbesondere Anders Tegnell und Johan Giesecke, haben Recht behalten.

Zum zweiten kann man auch bei wohlwollender Betrachtung nicht mehr ernsthaft bestreiten, dass mit den 2G-Regelungen und ihrer Umsetzung (in dieser Weise flächendeckend fast nur in Deutschland und Österreich, teilweise noch in Italien) massivst über das Ziel hinausgeschossen wurde. Hier wurden weite Teile der Bevölkerung nicht nur völlig aus der Gesellschaft ausgegrenzt, sie wurden außerdem von Vertretern aus Politik, Medien, Wissenschaft, Kultur und anderen mit Begriffen belegt, die hier nicht wiederholt werden sollen, die aber jeden Vergleich mit vergangenen Zeiten in diesem Land aushalten. Letztlich haben damit die Befürworter von Impfungen, in ihrer eigenen Logik, ihrem eigenen Ziel nicht gedient: Die Impfskepsis ist nur noch gewachsen. Spätestens ab dem zweiten Booster ist die Bereitschaft stark gesunken, sich weiter impfen zu lassen. Und sie kommt ganz offenkundig auch nicht zurück.

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