Seit Wochen gehen im Iran Frauen und Männer gemeinsam auf die Straße, wissend, dass jede Demonstration tödlich enden kann. Die Proteste richten sich gegen ein Regime, das politische Loyalität über Moralgesetze erzwingt und jede Abweichung mit Strafen, Haft und auch Gewalt beantwortet. Mehr als fünfhundert Menschen wurden bislang getötet, Tausende verletzt. Frauen sind nicht Randfiguren dieser Bewegung, sondern ihr sichtbares Zentrum – obwohl oder gerade weil sie besonders gefährdet sind.
Im Iran ist das Kopftuch keine Frage der Identität, sondern des Rechts. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, seine Missachtung wird verfolgt. Das Kopftuch fungiert demnach nicht als religiöses Zeichen, sondern als sichtbares Mittel staatlicher Kontrolle und Gewalt. Dass iranische Frauen im Rahmen der Proteste ihr Kopftuch ablegen und verbrennen, ist daher kein rein symbolischer Akt, sondern eine konkrete politische Handlung. Es ist eine offene Herausforderung der Machtverhältnisse, unter denen sie leben und leiden.
Diese Proteste stehen auch im Kontext zu früheren Aufständen, die nach dem Tod von Mahsa Amini (September 2022) und später Armita Geravand (Oktober 2023) begannen – beide Frauen starben nach Misshandlungen durch die Sittenpolizei. Was daraus folgte, war eine eindeutige Forderung – nicht nach Reformen, sondern nach einem Ende des Systems. Der Slogan „Women, Life, Freedom“ ist keine Parole, sondern eine klare politische Gegenordnung.
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