Es ist Karneval, beziehungsweise war Karneval – oder kommt das noch? Ich begebe mich als Lübeckerin hier in unbekanntes Terrain, und so sehr wie die Rheinländer an ihren Traditionen hängen, auch in gefährliches Fahrwasser. Jedenfalls haben sich einige bekannte Bundespolitiker bereitwillig zum Affen gemacht, aber anders als sonst dabei bunte Mützen getragen:
SPD-Chef Lars Klingbeil ist vom Aachener Karnevalsverein zum Ordensritter wider den tierischen Ernst ernannt worden. Das stellt ihn in eine Reihe mit Politikern wie Konrad Adenauer, Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Franz Josef Strauß und Guido Westerwelle, andererseits aber auch mit Cem Özdemir, Christian Lindner, Markus Söder, Gregor Gysi, Winfried Kretschmann, Armin Laschet und Annalena Baerbock. Ob das also eine Ehre ist, kann ich ehrlich gesagt nicht einschätzen.
So oder so: Klingbeil wird am Sonntag auf die Bühne gerufen und tritt aus seiner Sitzreihe hervor. Sobald er im Gang angekommen ist, haken sich jeweils an einer Seite zwei bekleidete junge Damen bei ihm unter und führen ihn strahlend lächelnd und posierend zur Bühne. Klingbeil gefällt sich sichtlich in dieser Position, obwohl solch ein Sexismus doch eigentlich längst gecancelt gehört. Doch in dieser Nacht kann er sich das auch mal leisten, denn als Begleitung hat er den alten Genossen Martin Schulz dabei, der ihn bei der Heimfahrt dafür sicher nicht eifersüchtig anschweigen wird.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











