Keine Windräder in Nord- und Ostsee mehr?

vor etwa 2 Monaten

Keine Windräder in Nord- und Ostsee mehr?
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Offshore-Windpläne in Nord- und Ostsee geraten ins Wanken. 2023 noch hatten der französische Energiekonzern TotalEnergies und BP bei Auktionen der Bundesnetzagentur insgesamt 12,6 Milliarden Euro für Flächen geboten, auf denen bis 2030 große Windparks entstehen sollten. TotalEnergies legte später noch einmal knapp zwei Milliarden Euro für ein weiteres Projekt nach.

Doch jetzt stehen offenbar zumindest Teile dieser Vorhaben vor dem Aus. TotalEnergies will sich nach Berichten von NDR und Süddeutscher Zeitung von Flächen in deutschen Gewässern trennen und soll sogar Geld vom Staat zurückfordern. Als Gründe werden Verzögerungen beim Netzausbau und veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen genannt.

Auch bei BP gibt es Zweifel, ob alle Projekte verwirklicht werden. In der Branche heißt es, die Konzerne hätten sich mit ihren Milliarden-Geboten verkalkuliert. Zwar weist TotalEnergies den Eindruck eines Ausstiegs vom Einstieg öffentlich zurück, bestätigt aber eine strategische Überprüfung wegen verzögerter Netzanschlüsse. BP und Jera Nex BP dementieren nicht klar, sondern sprechen von Herausforderungen und davon, verschiedene Optionen zu prüfen. Wäre auch zu peinlich für Manager zu gestehen, ein paar Milliarden in den Sand gesetzt zu haben, geschweige denn vor aller Öffentlichkeit das „Gelingen“ der hochgepriesenen Energiewende anzukratzen.

Bereits vor ein paar Wochen hat sich der baden-würtembergische Versorger EnBW aus zwei Offshore-Projekten in Großbritannien zurückgezogen: Mona und Morgan in der Irischen See, gemeinsam mit Jera Nex BP. EnBW begründet das mit fehlenden britischen Förderverträgen, gestiegenen Lieferkettenkosten, höheren Zinsen und Projektrisiken; dafür werden 1,2 Milliarden Euro abgeschrieben. TE berichtete ausführlich.

In der deutschen Nordsee baut EnBW He Dreiht weiter. Diese Industrieanlagen liegen rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum und 110 Kilometer westlich von Helgoland in der Nordsee, sollen 64 Windräder und 960 MW Leistung haben und bis Sommer 2026 in Betrieb gehen. EnBW bezeichnet sie als eine der ersten förderfreien Offshore-Projekte und verweist auf langfristige Stromabnahmeverträge.

Doch immer deutlicher wird: Die deutschen Offshore-Windpläne geraten in stürmische See. Was vor drei Jahren noch als Triumph der Energiewende verkauft wurde, droht nun zum Beispiel für gigantische Fehlkalkulationen eines politisch getriebenen Großprojekts zu werden. 2023 hatte die Bundesnetzagentur unter großem Getöse vier gewaltige Offshore-Flächen in Nord- und Ostsee versteigert. Das Ergebnis wurde damals gefeiert: 12,6 Milliarden Euro sollten die erfolgreichen Bieter zahlen. Das Geld sollte nicht nur zeigen, wie attraktiv Offshore-Wind angeblich ist, sondern auch zur Senkung der Stromkosten, zum Meeresnaturschutz sowie zur Förderung der Fischerei verwendet werden.

Heute stellt sich die Frage, ob ein beträchtlicher Teil dieser Milliarden überhaupt jemals fließt. Die Welt spricht inzwischen von Offshore-Projekten im Wert von bis zu 50 Milliarden Euro, die zur Disposition stehen könnten; der Branchenverband BWO warnt vor blockierten Flächen von bis zu 16 Gigawatt.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel