Kinderehen-Prozesse in Essen: Wenn die deutsche Justiz auf eine syrische Parallelwelt stößt

vor 6 Monaten

Kinderehen-Prozesse in Essen: Wenn die deutsche Justiz auf eine syrische Parallelwelt stößt
Bildquelle: NiUS

In Essen findet derzeit der bereits dritte Prozess gegen Angehörige einer syrischen Großfamilie statt. Es geht um drei Mädchen, die im Alter von 12 oder 13 Jahren mit Männern aus der Familie verheiratet und in diesen „Ehen“ vergewaltigt und misshandelt worden sein sollen. Die Beweisaufnahme ist schwierig. Auch bleibt die Öffentlichkeit häufig außen vor. Damit steht die Frage im Raum, ob bei diesem Verfahren die Opfer vor der Öffentlichkeit oder die Öffentlichkeit vor der Wahrheit geschützt werden soll.

In dem am 10. November am Landgericht Essen begonnenen Prozess gab es bislang fünf Hauptverhandlungstage. Angeklagt sind der 24-jährige Wasim A., sein 31-jähriger Bruder Yousef sowie dessen angeblich 24-jährige Ehefrau nach islamischem Recht. Wasim A. wurde bereits 2024 rechtskräftig wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Misshandlung einer damals 12-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt. Sein Bruder Ahmad A., dessen Verfahren Anfang 2025 verhandelt wurde, wurde freigesprochen, obwohl er den Kaufvertrag über das Mädchen in Syrien geschlossen hatte. Ihm konnte nicht nachgewiesen werden, dass er das tatsächliche Alter des Mädchens, für das die Familie A. 2.000 Dollar bezahlt hatte, wusste.

Dem jetzigen Hauptangeklagten Yousef A. droht eine mehrjährige Haftstrafe. In der Prozessankündigung wurde für ihn sogar eine Sicherungsverwahrung in den Raum gestellt. Laut Anklage soll er zwei Hochzeiten seines Bruders Wasim organisiert sowie finanziert und damit zu den späteren Misshandlungen und Vergewaltigungen Beihilfe geleistet haben. Beide sollen sich auch abgesprochen haben, deutsche Behörden über das tatsächliche Alter eines der Mädchen zu täuschen.

Zudem soll Restaurantbesitzer Yousef A. von 2015 bis 2017 eine bereits volljährige Frau, die um 2010 herum als 13-Jährige mit einem seiner Brüder verheiratet wurde, in seinem Döner-Lokal wie eine Sklavin unentgeltlich beschäftigt und ihren kleinen Sohn grob misshandelt haben. Seine mitangeklagte Frau, die sich im Gegensatz zu den Männern auf freiem Fuß befindet, soll die sexuellen Handlungen an den Mädchen unterstützt haben, indem sie ihnen erklärt haben soll, was nun ihre ehelichen Pflichten seien. Wasim A. ist erneut angeklagt, weil er bereits 2019 eine damals 13-Jährige misshandelt und missbraucht haben soll.

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