In dieser Woche läuft in München die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA). Das ist die größte und wichtigste Automobilmesse der Welt. Jeder Autohersteller, jeder Zulieferer, jedes Unternehmen, das auch nur entfernt etwas mit dem Thema Auto zu tun hat, ist hier vertreten. Das diesjährige Motto lautet weder fantasievoll noch sonderlich aufregend: „It’s All About Mobility“. Damit ist das Ende der Plattitüden und der Anfang der Kontroversen erreicht, denn so harmonisch, technikverliebt und modernitätsverschmust, wie Messe und Aussteller sich präsentierten, ist das echte Leben keineswegs.
Der erste Widerspruch zwischen Automesse und Realität liegt darin, dass auf der IAA fast nur Elektroautos präsentiert werden, während 97 Prozent der Autos auf deutschen Straßen nach wie vor Verbrenner und Hybride ausmachen und auf die echten E-Autos lediglich 3,3 Prozent entfallen (auch wenn 2025 die Neuzulassungen von E-Autos deutlich steigen).
Die IAA Mobility Open Space findet alle zwei Jahre im Rahmen der Messe in der Innenstadt von München statt.
Das nächste Problem, das auf dieser Automesse zwar diskutiert, aber keinesfalls gelöst wurde, ist das Verbrennerverbot der EU, das besagt, dass ab 2035 in der EU keine neuen Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zugelassen werden dürfen. Während die Chefs der großen Autohersteller das Verbrennerverbot nach vielem Hüsteln inzwischen für unrealistisch halten, ist diese Einsicht in der Politik noch nicht überall angekommen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der ja gerne mit gut platzierten Positionen zu aktuellen Themen auffällt, ist zwar klar dagegen („Dieses Verbrennerverbot ist falsch“), Kanzler Friedrich Merz jedoch verkündete nur ein herzhaftes „Jein“ („Einseitige Festlegungen auf bestimmte Technologien [lies E-Autos] sind falsch“), während EU-Präsidentin Ursula von der Leyen, unter deren industriefeindlicher Ägide der ganze Wahnsinn überhaupt erst beschlossen wurde, sich ein gewisses Abrücken vom Verbrennerverbot allenfalls „vorstellen“ kann.
Das zentrale Thema, zumindest aus deutscher Sicht, dieser IAA ist jedoch das Comeback der deutschen Autoindustrie – oder wenigstens ein Versuch in diese Richtung. Das klingt jetzt ein bisschen merkwürdig, oder: ein Comeback-Versuch? Die zentrale deutsche Industrie, die 780.000 Menschen beschäftigt (vier Prozent aller Jobs), 17 Prozent aller deutschen Exporte bestreitet und mit 536 Milliarden Umsatz der größte Industriezweig des Landes ist – diese Industrie also, von der wir alle abhängig sind, versucht ein Comeback?
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bei der Eröffnungsfeier der IAA Mobility 2025
Das kann doch nicht sein, oder? Wieso denn ein Comeback? Das klingt ja wie eine Rockgruppe, die einst Riesenerfolge hatte, sich dann aber auflöste, weil der Drummer an einer Überdosis verstarb, die Leadgitarre in einem Ashram verschwunden ist und die Brüder, nach denen die Band sich benennt, durch Anwälte kommunizieren. Geht es der deutschen Autoindustrie also wie dieser Band? Und wenn das so wäre, kann dann unsere Lieblingsindustrie – so wie die berühmte Band, die nach tausend verbrachten Stunden mit Therapeuten, Ärzten, Rechtsanwälten, Komponisten und Arrangeuren jetzt wieder schief und krumm auf der Bühne steht – durch einen ähnlich mühsamen Prozess wieder auf die Beine kommen? Und wenn ja, was wäre dann dieser Prozess?
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