Das Publikum war außergewöhnlich höflich. „Fähnchen schwenkend“ hätten Schüler den Kanzler empfangen, so der Staatsfunk, also beinahe so, wie es auch in anderen sozialistischen Ländern üblich ist. Leider erwähnte der Reporter nicht, um welche Fähnchen es sich gehandelt haben könnte: CDU-Fähnchen, EU-Lappen? Gibt’s schon Friedrich-Merz-Wimpel im Sauerland? Die jungen Leute vom Marsberg-Gymnasium im Hochsauerlandkreis breiteten vor Fritz jedenfalls ihre EU-Projekte aus, aber trauten sich auch, ihm die Frage „Was haben Sie in Ihrer Amtszeit bis jetzt erreicht, Herr Merz?“ zu stellen.
♦ Kaum brachte einer der handverlesenen 300 Gäste im Kulturhaus Salzwedel, Sachsen-Anhalt, dem Kanzler genau dieselbe Frage vor, verzeichnete das Protokoll spöttisches Gelächter. Merz, der sich auf die Heiterkeit keinen Reim machen konnte, führte zunächst bescheiden aus, für eine Bilanz sei es zu früh, dann gewann wieder der Hochmut die Oberhand: Er, Fritz, habe „die NATO gerettet“ und „Europa zusammengehalten“. Eine schwerkranke Frau, der die Weltlage eher nebensächlich war, klagte, die Regierung spare im Gesundheitsbereich, während üppige Gehaltszulagen für Minister geplant seien. Da verlor der Fritz die Fassung und wiederholte mehrmals: „Zu keinem Zeitpunkt ist erwogen worden, die Bezüge der Bundesregierung anzuheben.“ Hm. Er liest anscheinend überhaupt keine Zeitungen mehr.
♦ Die AfD fünf Punkte vor CDU/CSU, gerade mal 15 Prozent sind mit dem zufrieden, was Merz „Arbeit“ nennt (Forsa). Beim Insa-Beliebtheitsranking steht Merz inzwischen auf dem letzten Platz, weit hinter Alice Weidel (Platz 8) und Tino Chrupalla (15). Und ein „mächtiger CDU-Politiker“ (Bild), von dem die meisten allerdings noch nie gehört haben, sieht das vorzeitige Ende des schwarzroten Kasperltheaters voraus.
♦ Miese Umfragewerte, Widerworte bei Wahlveranstaltungen, Spott und Gelächter im Netz, da jammerte der Fritz ausgerechnet im „Spiegel“: „Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.“ Einspruch, Eure Gnaden. Ein Vorgänger aus Eurer eigenen Partei wurde als Birne veräppelt, was an diesem allerdings abprallte: „Wenn Sie für ein solches Amt kandidieren, müssen Sie etwas aushalten.“ Da steht Merz wohl noch die Gurke ins Haus.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











