Seit 2011 verüben Linksextremisten in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf wichtige Infrastruktur, vor allem Bahnverkehr und Stromversorgung sind betroffen. Der Schaden ist enorm. Doch kein einziger Fall konnte bisher aufgeklärt werden. Verfassungsschutz und Ermittlungsbehörden tappen offenbar im Dunkeln. Oder will der Staat gar nicht so genau hinsehen und verschließt deshalb die Augen?
Ein tagelanger Stromausfall in der deutschen Hauptstadt, der Zehntausende Berliner während einer Kältewelle trifft, macht schlagartig klar, welche Gefahren durch Sabotageangriffe drohen. In einem ausufernden Bekennerschreiben reklamieren linksextreme Anarchisten der „Vulkangruppe“ die Tat für sich: einen Brandanschlag auf mehrere Hochspannungskabel an einem neuralgischen Punkt im Berliner Stromnetz. Während der Berliner Senat das Schreiben für authentisch erklärte, hält sich das Bundesinnenministerium mit einer solchen Bewertung noch zurück.
Der Anschlag am Samstagmorgen ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Serie von zielgerichteten Zerstörungsaktionen in der Hauptstadtregion, zu denen sich „Vulkangruppen“ bekannt haben oder die ihnen zugerechnet werden. Es handelt sich vermutlich nicht immer um dieselben Täter, sondern um unterschiedliche, die sich aber zumindest namentlich aufeinander beziehen. In einigen Fällen hat der Generalbundesanwalt die Verfahren an sich gezogen, er ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Doch die Ermittler haben bisher keinen einzigen Täter überführen können. Und als ihnen 2024 zwei Verdächtige in die Finger kamen, ließ die Berliner Justiz die beiden wieder laufen.
Erstmals bekannte sich eine Vulkangruppe am 23. Mai 2011 zu einem Brandanschlag am Berliner Ostkreuz. Dort wurde eine Starkstromleitung beschädigt, was vor allem den S-Bahn-Verkehr tagelang beeinträchtigte. Der Begriff „Vulkan“ fiel damals noch nicht, stattdessen die Bezeichnung „Das Grollen des Eyjafjallajökull“. Die linksextremen Saboteure nahmen auf den isländischen Vulkan Bezug, der 2010 den europäischen Luftverkehr lahmlegte. „Der Fall zeigt, wie anfällig unsere kritische Infrastruktur ist“, erklärte damals der SPD-Sicherheitsexperte Dieter Wiefelspütz. Nun zeigt der jüngste Fall, anderthalb Jahrzehnte später: Sie ist es noch immer.
Noch im selben Jahr, im Oktober 2011, legten die „Vulkanier“, wie die Terroristen in Sicherheitskreisen zeitweise genannt worden sein sollen, nach: „Das Hekla-Empfangskommitee (sic) – Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen“, benannt nach einem weiteren isländischen Vulkan, legte Brandsätze an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg sowie an verschiedenen Orten in Berlin. Nicht alle davon explodierten; einige konnten noch rechtzeitig entschärft werden.
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