Wenn ich in meinem zeitlosen, zweifellos schönsten Auto aller Zeiten, nämlich meinem Audi A2, unterwegs bin, piept nichts, wenn ich schneller fahre, als der Staat es 85-jährigen dementen Omas zutraut. Das Fahrzeug drosselt auch nicht die Geschwindigkeit, wenn der Gurt nicht angelegt ist. Bei längeren Fahrten erscheint nicht alle dreißig Minuten eine fälschliche Warnung, dass der Fahrer müde sei. Und keine Kamera überwacht, ob meine Augen auch auf die Straße gerichtet sind.
Hätte ein Redakteur zur Jahrtausendwende so einen Einstieg geschrieben, wäre er wahrscheinlich aufgrund utopischer Redundanz, der sinnlosen Betonung des Selbstverständlichen und der Fokussierung auf Irrelevanz abgemahnt worden. Heute versteht ihn jeder, und mein Audi A2 ist eine fast schon sensationelle Oase der Ruhe und Entspannung. Abgesehen von dem schrecklich lauten Warnton, wenn der Tank sich der Reserve nähert, macht das Auto genau das, was es soll: fahren, nicht piepen.
Seit zwei Jahrzehnten hat sich die europäische Politik dem gegenteiligen Ideal verschrieben: Die Autos werden mit immer mehr Sensoren, Warntönen und Überwachungssystemen ausgestattet. Schon seit 2002 sorgt die quasistaatliche Sicherheitsorganisation „Euro NCAP“ dafür, dass Fahrzeuge mit Gurtwarnern Zusatzpunkte erhalten, weswegen so gut wie alle Hersteller seitdem entsprechende „Pieper“ eingebaut haben.
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