Friedrich Merz wollte in der internationalen Krise wieder den deutschen Oberlehrer geben. Ausgerechnet ein Kanzler mit Umfragewerten im Keller, dessen Land sicherheitspolitisch von den USA abhängt, glaubte, Washington öffentlich erklären zu müssen, wie Weltpolitik funktioniert. Die prompte Antwort aus dem Weißen Haus und aus dem Pentagon: Die USA wollen rund 5.000 Soldaten aus Deutschland abziehen, Donald Trump stellte noch deutlich größeren Abzug in Aussicht. Aus deutscher Regierungssprache wird damit amerikanische Truppenplanung. Aus Merz’ außenpolitischem Geltungsdrang wird ein konkretes Sicherheitsproblem.
Merz hatte sich im Iran-Konflikt öffentlich in eine Rolle gedrängt, die Deutschland militärisch, strategisch und politisch nicht ausfüllt. Trump reagierte unmittelbar, deutlich und scharf, das Pentagon setzte die Abzugspläne formal in Gang. Berlin versucht seither, alles als routinemäßige Überprüfung zu verkaufen. Verteidigungsminister Boris Pistorius erklärt, eine Reduzierung sei seit Jahren erwartet worden, Außenminister Wadephul beschwichtigt mit Blick auf Ramstein. In den betroffenen Regionen weiß man besser, was auf dem Spiel steht: Soldaten, Familien, Aufträge, Mieten, Schulen, Arbeitsplätze, ganze kommunale Strukturen.
Merz’ Anteil an diesem kolossalen Schlamassel besteht darin, dass er den wichtigsten Schutzgaranten Deutschlands öffentlich reizt, während Deutschland selbst zu wenig strategische Substanz liefert. Die Bundesrepublik lebt seit Jahrzehnten von amerikanischer Präsenz, von Ramstein, von Logistik, Abschreckung und militärischer Infrastruktur. Nun sortiert Washington seine Rolle neu. Der Kanzler redet weiter, andere zählen die Folgen. Genau in diesen deutschen Bedeutungsverlust hinein meldet sich Polen und zeigt, wie ein Staat handelt, der seine Lage kennt.
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