Es ist kurz nach 18:00 Uhr am 12. Februar 2026, in der Rue Victor Lagrange im 7. Bezirk der südfranzösischen Stadt Lyon. Nur wenige hundert Meter entfernt, im Institut d’études politiques (IEP) der Universität Sciences Po Lyon, beginnt gerade die Konferenz einer Frau, die für viele zum Symbol des Staatsumbaus nach links-migrantischem Vorbild geworden ist: Rima Hassan, eine palästinensischstämmige Europaabgeordnete der französischen Linkspartei „La France Insoumise“ (LFI). Draußen, vor den Toren der Elitehochschule, haben sich Aktivistinnen des feministischen „Collectif Némésis“ versammelt, einer identitären Frauenrechtsgruppierung, die mit einer Banderole gegen „Islamo-Gauchisme“ in den Hörsälen protestieren.
Was wenig später geschieht, wird Frankreich in den folgenden Tagen nicht mehr loslassen. Videos, die auftauchen, zeigen eine Gruppe von etwa 20 Personen, die meisten von ihnen vermummt, wie sie drei Personen umringt und aus der Gruppe heraus attackiert. Immer wieder fallen Schläge. Einer, den sie treffen sollen, heißt Quentin Deranque. Als der 23-Jährige bereits auf dem Boden liegt, treten die Angreifer zu, immer wieder, kommt es zu Tritten auf den Kopf, die der junge Mann nicht überleben wird.
Am Freitag heißt es erst, Quentin sei in kritischem Zustand und befinde sich „zwischen Leben und Tod“, dann wird ein Hirntod festgestellt, am Abend steht der endgültige Exitus fest.
Seitdem befindet sich Frankreich in einem Ausnahmezustand, weil die Tötung von Quentin Deranque einem besonders brutalen Gewaltdelikt gegen Rechte gleichkommt, einem „Lynchmord“, wie es der Innenminister Laurent Nuñez später nennen wird.
Quentin Deranque, geboren 2003, studierte Mathematik an der Université Lumière Lyon II. Er war ein junger Mann mit peruanischen Wurzeln mütterlicherseits und vor allem ein gläubiger Katholik. Er besuchte die Pfarrei Notre-Dame de l’Isle in Vienne, war eng verbunden mit der Academia Christiana und hatte keine Vorstrafen, wie sein Anwalt betont, ein „friedlicher Aktivist“, wie die Familie sagte. An diesem Donnerstag stellt er sich freiwillig zur Verfügung, um das Aktivistinnenkollektiv „Némésis“ vor linken Übergriffen zu schützen.
Die Gruppierung ist feministisch in ihrem Selbstverständnis, aber gilt auch als rechtskonservativ, anti-islamisch und steht dem Rassemblement National nahe. Sie verantwortet eine Vielzahl von friedlichen Aktionen gegen linke Politik, und wollte auch an besagtem Donnerstag gegen Hassan demonstrieren, die in ihren Augen für alles stand, was Frankreich zerstöre: Linksextremismus, Islamophilie, Antizionismus. Hassan gilt auch als das Gesicht der radikalen Palästina-Solidarität in Frankreich; den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 nannte sie einst „legitimen Widerstand“.
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