Mit fast zwei Millionen Abonnenten auf YouTube gilt Radical Living (bürgerlich: Matthias K.) als einer der bekanntesten Content-Creator im englischsprachigen Raum. Seit Jahren produziert er satirische Kurzvideos über das Leben in verschiedenen Ländern – nun hat er in einem 37-minütigen Video begründet, weshalb er mit seinem Heimatland Deutschland gebrochen hat. „Ich verlasse Deutschland. Tatsächlich habe ich es bereits verlassen und ich komme nie mehr zurück. Niemals“, erklärt er darin unmissverständlich. Das Video, das er von Zypern aus aufnahm und das mittlerweile über 500.000 Aufrufe auf X erreicht hat, ist eine Generalabrechnung mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
An erster Stelle steht für den YouTuber die desolate wirtschaftliche Lage. Deutschland, einst industrielle Großmacht, sei durch politische Fehlentscheidungen in die Stagnation gerutscht. „Deutschland ist in den letzten Jahren stagniert oder sogar in einer Rezession gewesen, und das letzte Jahr war besonders brutal. In allen Sektoren gibt es Stellenabbau“, sagt er. Hauptursache sei die verfehlte Energiepolitik: „Deutschland ist es in den letzten zehn Jahren gelungen, das teuerste Land der Welt zu werden, was den Strom betrifft. [...] Wir haben alle unsere Kernkraftwerke abgeschaltet, bevor wir andere Kraftwerke in Betrieb genommen haben, um diese Energie zu ersetzen.“ Die Folge: Unternehmen wanderten ab, Massenentlassungen seien monatlich Thema in den Nachrichten. Für Jobsuchende oder Zuwanderer sei Deutschland „keine gute Zeit mehr“.
Noch schärfer kritisiert K. das Steuer- und Abgabensystem. Wer mehr verdiene, verliere fast alles an den Staat: „Wenn man alle Dinge berechnet, die man von seinem Einkommen abführen muss, behält man nicht einmal die Hälfte. Man behält vielleicht so etwa 30 Prozent seines Einkommens, nachdem man alle Steuern und Sozialversicherungen abgezogen hat.“ Selbstständige wie er müssten doppelt so hohe Krankenversicherungsbeiträge zahlen und sollen künftig auch die Pflicht zur Rentenversicherung erfüllen – „noch einmal 18,5 Prozent für die Rentenversicherung“. Sieben von zehn Stunden würde man für den Staat arbeiten, rechnet er vor. Das Geld lande jedoch nicht bei sinnvollen Investitionen, sondern werde verschwendet: „So viel Geld fließt in Kriege, es fließt in Sozialleistungen für faule Menschen.“ Er sei keineswegs gegen Steuern, betont er, „aber in Deutschland sehe ich das nicht mehr. Mein Eindruck ist, dass der Großteil der Steuern verschwendet wird.“
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