Die neue Katjes-Werbung ist da. Pünktlich zum Fastenmonat Ramadan, dessen Beginn in diesem Jahr zufällig mit dem Beginn der christlichen Fastenzeit zusammenfiel, hängt oder klebt sie in allen deutschen Großstädten und vermittelt so das neue Katjes-Lebensgefühl. Und man darf wohl sagen, sie ist gewagter denn je. „Auf dem in der Markenfarbe Pink gehaltenen Plakat steht in arabischer Sprache die Headline: ‚Frohes Fastenbrechen‘“, heißt es zu dem Entwurf im Branchenmagazin Horizont. Ganz klein steht in einer Ecke noch die deutsche Erläuterung „Für einen gesegneten Ramadan“ sowie der „aus Markensicht eigennützige Hinweis ‚Nasch Halal“. Letzterer Hinweis ist entgegen dem ersten Eindruck ein deutscher Satz: Er soll Muslime dazu anregen, sich die gelatinefrei, also vor allem ohne Schweineprodukte hergestellten Fruchtgummis zu Gemüte zu führen.
„Mit dem Plakat wollen sich Kunde und Agentur bewusst auf das Wesentliche konzentrieren.“ Der arabische Schriftzug schaffe Aufmerksamkeit und vermittle zugleich „Normalität“. Katjes wolle damit „laut eigener Aussage Haltung zeigen, ohne zu erklären“. Das ist gut zusammengefasst. Katjes hat keine Lust mehr auf Erklärungen. Die neue Realität wird auch den nichtmuslimischen Kunden ohne Umschweife mitgeteilt, aufgedrückt, man könnte sagen, um Augen und Ohren gehauen. Deutschland wird damit nicht nur zum mehrsprachigen Land erklärt, in dem Werbeplakate in unverständlicher Schrift verfasst sind. Nicht nur Multikulti wird so zur Regel erhoben. Der Vorrang des Islam wird in einem Plakat verdichtet und vorexerziert.
Ähnliche Unterwerfungsgesten gab es schon zuvor. Schon 2018 hatte Katjes mit einer jungen Frau im Hidschab, wiederum in Pink, für sich und das eigene Produkt geworben, zusammen mit dem Hinweis „Alles Veggie“ – also wiederum „ohne tierische Gelatine“, ohne unreines (haram) Schweinefleischprodukt. Das löste damals noch eine Welle der Empörung aus. In Online-Kommentaren fanden sich etwa Sätze wie dieser: „Ich finde es sehr schade, dass ihr mit dem Zeichen der Unterdrückung von Frauen Geld verdienen wollt.“ Der deutsch-algerische Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi sprach von einem „inakzeptablen Verrat“ an humanistischen Werten wie auch speziell an den Frauen im Iran und anderen Ländern, die von ihrer Freiheit nur träumen können“. Das neue Katjes-Plakat ist zwar minimalistischer, dabei aber wohl noch provokativer. Es zieht sich auf die Grundaussage zurück: Der Islam ist gekommen, um zu bleiben. Wirtschaftsunternehmen richten sich darauf aus.
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