Die Rückkehr des germanischen Donnergotts im Gewand des Klimawahns


vor etwa 1 Jahr

Die Rückkehr des germanischen Donnergotts im Gewand des Klimawahns

Bildquelle: NiUS

Als Bonifatius im achten Jahrhundert die heilige Eiche von Geismar fällen ließ, war das ein symbolischer Bruch mit dem germanischen Naturkult – ein früher Sieg von Vernunft über Aberglauben. Heute jedoch scheint der Donnergott zurückzukehren: In einer aktuellen Sendung der Tagesschau, die mehr Liturgie als Nachrichtenschau war, wurde heißes Wetter zum existenziellen, metaphysischen Rahmen – und die Klimapolitik zur Erlösungslehre. NIUS zeigt, wie die ARD in vormoderne Denkmuster zurückfällt – und warum Sommer-Deutschland eine Zivilisation im Fieberwahn ist.

Im Jahr 723 nach Christus fiel im hessischen Geismar eine gewaltige Eiche. Sie stand dort seit Jahrhunderten – als heilig verehrter Baum, geweiht dem germanischen Donnergott Donar, auch bekannt als Thor. Für die einheimischen Stämme war sie aber mehr als ein Baum: Sie war ein Wohnort des Göttlichen, ein natürlicher Altar, ein Ort der Opfer, der Angst und der Mythen. Dann kam Bonifatius, ein Missionar aus dem angelsächsischen Raum, gesandt im Namen der christlichen Zivilisation – und ließ sie fällen. Die Tat war von symbolischer Wucht: ein bewusster Akt gegen den heidnischen Naturkult, gegen das unreflektierte Fürchten der Elemente, gegen den Aberglauben.

Eine antigermanische Respektlosigkeit, ohne welche die deutsche Zivilisationsgeschichte nicht zu denken wäre: Der heilige Bonifatius beim Fällen der Donareiche bei Geismar.

Es war ein Moment der Frühaufklärung – Jahrhunderte vor Kant. Die Natur wurde entzaubert. Nicht mehr das Wetter, der Wald, der Baum waren das Heilige, sondern das menschliche Wort, die Vernunft, das Evangelium. Die Gewalt gegen das Holz war ein Sieg der Sprache über das Raunen, des Logos über den Mythos. Dialektik der Aufklärung.

Und doch beginnen wir 1300 Jahre später wieder, das Wetter zu fürchten – nicht nur zu fürchten, sondern ihm eine weltanschauliche Dramaturgie einzuräumen, die an vormoderne Zeiten erinnert. Wer heute in die Nachrichten blickt, erkennt: Der Donnergott ist zurück. Diesmal nicht als Eiche, sondern als höllisch gefärbte Temperaturkarte.

Links eine Wetterkarte der „Tagesschau“ aus dem Jahr 1997, rechts eine Karte aus dem Jahr 2023 (Quelle: Correctiv)

Es war eine Tagesschau, die man zweimal sehen muss, um sicherzugehen, dass sie nicht von einem Satiriker stammt. Am 2. Juli 2025 widmete die ARD ihre Hauptnachrichtensendung, die täglich um die neun Millionen Zuschauer erreicht, in erster Linie dem Wetter. Ganze acht Minuten lang drehte sich alles um Hitze, Schweiß und „Sprühnebel“ – kühlendes Wasser für durchnässte Passanten, weil die „Hitzewelle ihren vorläufigen Höhepunkt“ erreicht habe; erkennbar daran, dass an „manchen Orten die Temperaturen an der 40-Grad-Marke kratzten“.

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