Die Meldungen klingen bedrohlich: Über München sollen Drohnen gesichtet worden sein, über dem Fliegerhorst in Erding, an der belgischen Grenze, über Werften und Landtage. Kaum eine Region, über der in diesen Tagen nicht gefährliche Flugobjekte erfasst worden sein sollen – und verlässlich wird in der Berichterstattung darüber Russland als potenzieller Absender genannt. Belege dafür gibt es nicht.
Die Sorge, dass Moskau hinter den mysteriösen Himmelserscheinungen stecken könnte, sitzt bei deutschen Journalisten und Politikern auffallend tief. Die Rede ist schon von einer „Vorkriegszeit“. CDU-Kanzler Friedrich Merz sagt: „Wir sind nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden.“ Der polnische Premier Donald Tusk will die „Vorkriegszeit optimal nutzen“, und Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen nannte die Drohnen-Vorfälle einen „schwerwiegenden Angriff“.
Doch wie die Berliner Zeitung in einer ausführlichen Analyse zeigt, bröckelt das Bedrohungsnarrativ an vielen Stellen. Denn ein genauer Blick auf die Fakten ergibt: Zahlreiche Drohnenmeldungen der vergangenen Tage stellten sich als Irrtümer, Missverständnisse oder schlicht Fehlalarme heraus.
Erst am Wochenende stand der Flugbetrieb am Flughafen München wieder wegen Drohnen-Alarm still. Fotos der angeblichen Bedrohung gibt es nicht.
So erklärte eine Sprecherin der Flugabwehrraketengruppe 21 der Bundeswehr, entgegen der Berichte habe es am Standort Sanitz und weiteren Standorten „keine registrierten Drohnenüberflüge“ gegeben. Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack sprach davon, dass Experten inzwischen „bei einem Großteil der Sichtungen illegale, kritische Drohnen-Überflüge ausschließen“. Trotzdem machten große Medien weiter mit Schlagzeilen Stimmung.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











