Im Westen des Sudan spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab, doch die Welt nimmt kaum eine Notiz davon. Weit und breit ist keine Demo zu sehen, die sich für „das Völkerrecht“ dort einsetzt. Niemand, der „für Gaza“ auf die Straße geht, schert sich um das Leid der Menschen in Nordostafrika. Warum ist das so?
Ethnische Säuberungen, Hungersnot, Kriegsverbrechen, Völkermord: All das spielt sich gegenwärtig in der Region Darfur im Westen des Sudan ab. Nachdem dort Anfang der 2000er-Jahre schon einmal ein Genozid begangen wurde, damals durch die Armee und die Vorläufer der RSF, die arabischstämmigen Reitermilizen, Dschandschawid genannt, droht dort laut Zeit ein „Genozid mit Ansage“: „In Al-Faschir geschieht nun das, wovor Menschenrechtsgruppen immer wieder gewarnt haben: Die meist arabischstämmigen RSF-Kämpfer massakrieren Zivilisten, vor allem Angehörige ethnischer Gruppen, die in ihren Augen ‚schwarz‘, ‚afrikanisch‘ und damit ‚Sklaven‘ sind.“ Schwarze Sudanesen aus dem Süden oder Darfur werden als „abid“ (Sklaven) oder „zunuj“ (Neger) beschimpft.
Die islamistischen Paramilitärs haben die Regionalhauptstadt Al-Faschir vor wenigen Tagen erobert, Berichte über Massaker mehren sich. Die Rede ist von Haus-zu-Haus-Erschießungen, Vergewaltigungen und Vertreibungen, oft mit explizit rassistischen Parolen wie „Tötet die Schwarzen“. Die Rapid Support Forces (RSF), geführt von Mohamed Hamdan Dagalo (Hemedti), bestehen hauptsächlich aus Kämpfern arabischer Herkunft, etwa aus Stämmen wie Rizeigat oder Misseriya, die historisch als Nomaden in Darfur leben.
Sie nutzen Hunger als Kriegswaffe gegen Christen. Über eine halbe Million Kinder sind tot, vielen Millionen droht der Hungertod, zwölf Millionen sind auf der Flucht. Als schwarzafrikanisch aufgefasste Bevölkerungsgruppen gelten für die Islamisten als Sklaven, sie zu vergewaltigen, zu vertreiben und zu töten scheint ihnen gerechtfertigt.
Eine Mutter und ihr Kind kurz vor ihrer Ermordung durch islamistische Milizen.
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