Hätte der Anschlag von Magdeburg verhindert werden können? Wahrscheinlich ja, wenn wir in Deutschland ein stärker präventives Sicherheitsverständnis hätten. Denn das scheint in der Tat zu fehlen. Wenn irgendwo etwas passiert, wird darum gerne laut nach neuen „Maßnahmen“ gerufen, die das Übel angeblich besiegen und die Gefahr das nächste Mal bannen sollen. Aber beim nächsten Mal sieht die Gefahr vielleicht ganz anders aus. Was fehlt, ist eine umfassende, ganzheitliche Sicht auf unsere Gefahrenlage, die über den Einzelfall hinausblickt. Außerdem wohl ein Sicherheitsnetz, das Einzelfälle wie Taleb A. auffängt und entweder in geordnete Bahnen leitet oder der zuführt – denn auch das wäre irgendwann zwischen 2006 und 2024 vielleicht möglich gewesen. Beobachter aus den Herkunftsländern meinen ohnehin des öfteren, dass wir zu viele Personen aufnehmen, die in ihren Ländern entweder im Gefängnis oder in einer Psychiatrie säßen.
Am 20. Dezember jährte sich übrigens zum 40. Mal die Urteilsverkündung im Fall Gert Uwe Postel. Der falsche Arzt und Psychiater hat in den Achtzigerjahren für einiges Aufsehen gesorgt, weil er ohne jede Berufsausbildung, aber dafür mit gefälschten Dokumenten als stellvertretender Amtsarzt in Flensburg und später noch ab 1995 als Oberarzt einer Psychiatrischen Klinik bei Leipzig wirken konnte – trotz seiner Verurteilung in Schleswig-Holstein –, dort war er sogar für höhere Ämter im Gespräch. Werfen die neuen Geschehnisse um den Magdeburger Attentäter Taleb A. ein neues Licht auf dieselben Zustände in der deutschen Ärzteschaft?
Der später approbierte Psychiater Taleb A. reiste im März 2006 nach Deutschland ein, „regulär mit Visum und Reisepass“. Sein Medizinstudium hatte er angeblich in Saudi-Arabien abgeschlossen. In welchem Bundesland er sich zunächst aufhielt, bleibt allerdings unklar. Ab Mitte Mai 2009 war A. dann zuerst in Düsseldorf, dann in Bochum gemeldet. Im November 2009 veröffentlichte er laut Focus eine medizinische Hypothese mit dem Titel „Eine Störung des Hörvermögens der eigenen Stimme kann nicht nur Stottern, sondern auch Depressionen verursachen“.
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