Poker dürfte das wohl US-amerikanischste aller Kartenspiele sein, und unter Politikern erfreuen sich Metaphern entsprechender Beliebtheit: „All in“ gehen sie gerne, lassen sich nicht in die Karten schauen, haben noch ein Ass im Ärmel. „You don’t have the cards right now“, so einst Trump zum Selenskyj. Poker ist also die ultimative Politmetapher für Verhandlungssituationen. Doch unsere Volksvertreter kümmern sich noch um zwei weitere Steckenpferde: Sportlich wird’s, wenn der partei- oder fraktionsinterne Teamgeist im Sinne der Bundesliga beschworen wird. In der Geopolitik schließlich, da ist die über Jahrhunderte destillierte Analogie die eines Schachspiels: Kaum ein Essay, die ohne Referenz auf das „Great Game“, das Spiel der Könige auskommt. Was ist sein nächster Zug, wie schnell erfasst er die Aufstellung der Figuren, wie mannigfaltig denkt einer die möglichen Züge seines Gegenspielers?
Präsident Donald Trump ist Golfer. Das passt, denn Golf ist ein Einzelsport und wenn man einen Ball in die Heide pfeffert, ist das jemand anderes Problem. Es gibt dann irgendeinen Subalternen, der den wiederbringen muss. Ursula von der Leyen ist Reiterin. Auch das passt, denn hier gibt es gute Noten für die Haltung. „Röschen war immer sehr ehrgeizig, sie saß immer so schön gerade auf dem Pferd. Wie eine Kerze!“, so erinnert sich ein alter Pferde-Profi vor Jahren in einem Interview. Besser könnte man die unterschiedlichen Charaktere wohl nicht versinnbildlichen. Ein Pokerspieler, Mannschaftssportler oder Großmeister des Schachs dürfte allerdings keiner der beiden sein.
Links: Golfer Donald Trump, rechts: das ehrgeizige „Röschen“, genauer gesagt die Präsidentin der EU Kommission.
Wie es der Zufall will, kann man im schönen Schottland recht gut Golfen und Ausreiten. Mit ihrer strategisch bedeutsamen Lage im Nordatlantik sind die nördlichsten Pfründe Seiner Majestät nicht nur für die NATO von enormer Bedeutung, sondern auch Heimat der seegestützten nuklearen Lebensversicherung Britanniens. Es steht außerdem im doppelten Sinne für die Frage nach strategischer Autonomie: Einmal, weil Edinburgh eisern nach Selbstverwaltung strebt, häufig sogar offen separatistisch gegenüber London auftritt. Andererseits, weil Großbritannien in einem Akt demokratischer Souveränität aus der Europäischen Union ausgetreten war – eine Entscheidung, die Fähnchen-wedelnden Technokratie-Fetischisten in Brüssel bis heute nicht verstanden, vor allem aber den „Rosbifs“ nicht verziehen haben. Trump und von der Leyen dürften bei all diesen Themen so ziemlich die denkbar gegensätzlichsten Perspektiven vertreten.
In diesem Umfeld treffen nun also die beiden Champions aufeinander, das Beste, was Nordamerika und Westeuropa zu bieten haben. Ausfechten sollen sie den Handelsstreit, der zwischen denen, die eigentlich Partner sind, schon lange schwelt. Während der Krieg in der Ukraine tobt, die deutsche Wirtschaft nicht auf die Beine kommen will und die Bundeswehr immer noch ein Schatten ihrer Möglichkeiten ist, ausgerechnet das. Die Verhandlungen, ja die gesamte Lage ist ein Lehrstück geopolitischen Versagens. Und das Ergebnis der Begegnung in Schottland wiederum bedeutet eine schwere Hypothek.
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