Venezuelas Nachspiel: Eintritt in eine dynamische Neuordnung der Welt

vor 6 Monaten

Venezuelas Nachspiel: Eintritt in eine dynamische Neuordnung der Welt
Bildquelle: Tichys Einblick

Viel wurde in den vergangenen Wochen über die Hintergründe und die Folgen der amerikanischen Intervention in Venezuela am 3. Januar 2026 spekuliert. An der Oberfläche diskutieren das politische Kommentariat und Leitmedien vor allem über die Rolle und die Zukunft des venezolanischen Schweröls. Und ohne Frage: Sie haben recht. Gelingt es den Vereinigten Staaten, mithilfe ihrer eigenen Förderindustrie – insbesondere durch Konzerne wie Chevron, ConocoPhillips und Exxon – die zum großen Teil brachliegenden Kapazitäten wiederzubeleben, entsteht ein erheblicher geopolitischer Hebel.

Dieser Hebel verändert vor allem die Verhandlungsmatrix und ihre Verhandlungsdynamik zwischen Washington und Peking. China benötigt dieses Öl für seine maritime Expansion; die USA wiederum zur Auslastung ihrer Raffinerien im Süden des Landes, insbesondere in Texas. Die Kontrolle über den Export dieses Rohstoffs nach China könnte die amerikanische Verhandlungsposition im Bereich der Seltenen Erden stärken, die China zuletzt immer wieder, auch gegenüber europäischen Unternehmen als Druckmittel einsetzte. Möglicherweise eröffnen sich auch Spielräume, Druck auf Peking aufzubauen und die subventionierte chinesische Exportmaschine zu drosseln. Gewichtige Argumente, ohne Zweifel auf dem Weg zur Reindustrialisierung der USA.

Gleichzeitig wurde breit diskutiert, dass es der US-Regierung im Kern darum gehe, den chinesischen Einfluss auf den entscheidenden Rohstoffmärkten Südamerikas – ganz in der Tradition der Monroe-Doktrin – zurückzudrängen. Chinas Reaktion auf die Festsetzung Nicolás Maduros fiel erstaunlich verhalten aus. Neben der erwartbaren diplomatischen Protestnote sorgte vor allem die Reise des kanadischen Premierministers Mark Carney nach Peking für Aufmerksamkeit. Kanada nimmt als Rohstoffgigant zunehmend die Rolle des Gegenspielers zur Regierung von Donald Trump ein.

Carney sprach am Wochenende davon, mit der politischen Führung Chinas über eine neue Weltordnung diskutiert zu haben – über eine multipolare globale Ordnung, in der nicht mehr die Vereinigten Staaten im Zentrum stehen. Für China ist klar, worum es dabei geht. Kanada wurde durch die avisierte Wiedereröffnung der venezolanischen Ölfelder faktisch aus dem amerikanischen Raffineriegeschäft gedrängt. Das kanadische Schweröl ist von höchstem Interesse für China, das sich nun gezwungen sieht, alternative Märkte zu erschließen, um dem wachsenden Verhandlungsdruck Washingtons auszuweichen.

Eine kleine Randnotiz verdient in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit. Neben der Debatte um die Zukunft Grönlands – die medial in Europa derzeit zu einer Existenzfrage der NATO hochgespielt wird, angesichts des Rohstoffreichtums der Insel und der strategischen Bedeutung der Seewege – zeichnet sich in den USA und in Kanada ein weiterer Debattenstrang ab: jener über die Zukunft der kanadischen Provinz Alberta.

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