Menschen in grauen Jogginghosen steigen aus grauen Autos, graue Smartphones in der Hand, auf dem Weg in graue Gebäude. Ein Wort reicht, um das Bild der Gegenwart zu zeichnen: Grau. Vor wenigen Jahrzehnten war das noch anders. Die Kultur der Hässlichkeit hat sich durchgesetzt – auch mit fatalen politischen Folgen.
„Beurteile ein Buch nie nach seinem Einband“ ist ein beliebtes, aber falsches Sprichwort. Doch, das Äußere verrät etwas über Menschen und von ihnen geschaffene Gegenstände. Wie sie selbst denken, was andere von ihnen denken sollen, wie sie zur Welt stehen. Eine Kultur besteht aus Menschen. Um eine Kultur zu verstehen, reicht es nicht, sich anzuhören, was diese Kultur über sich selbst behauptet. Wesentlich ist der Blick auf das, was diese Kultur schafft.
Es ist fast egal, was ein Bürgermeister in einem Interview von sich gibt, relevant ist, wie von ihm genehmigte Neubauten aussehen. Es ist vernachlässigbar, was der Bundespräsident bei seiner Weihnachtsansprache über das Wesen des Landes verkündet, mehr Bedeutung hat, wie die Menschen im Alltag sich selbst und ihre Umgebung gestalten.
Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch mehr Farbe. Auf alten Parkplatzbildern finden sich grüne, gelbe, rote, blaue, braune, weiße, schwarze und graue Autos – jeweils in verschiedenen Helligkeitsstufen und in ungefähr gleicher Verteilung. In der Gegenwart findet sich vor allem die Troika der Trostlosigkeit: Schwarz, Grau, Weiß. Klar, funktional sind diese Farben, lebensfroh eher nicht.
Auch die Häuser, vor denen die immer schlichteren Autos parken, werden stets langweiliger. Jeder hat Beispiele aus seiner eigenen Stadt im Kopf, von neu gebauten Schulen, Rathäusern, Bahnhöfen oder Mehrfamilienhäusern, die von charaktervollen Bauten zu grauweißen Schandflecken verkommen sind.
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