Wolfgang Büscher, Sprecher des Kinderhilfswerks Arche Berlin, über die Bildungskrise

vor etwa 2 Monaten

Wolfgang Büscher, Sprecher des Kinderhilfswerks Arche Berlin, über die Bildungskrise
Bildquelle: NiUS

Alarmierende Zahlen von UNICEF stellen Deutschland ein miserables Zeugnis in Sachen Bildung aus: Von 41 untersuchten Industrieländern landet Deutschland nur auf Platz 34. Insgesamt können 40 Prozent der 15-Jährigen nicht richtig rechnen und schreiben. In armen Familien hat fast die Hälfte der Kinder Schwierigkeiten, schulische Grundkompetenzen zu erreichen. In wohlhabenderen Familien sind es dagegen nur etwa zehn Prozent.

Bei NIUS Live ging es deshalb um die Frage, warum Deutschland im internationalen Bildungsvergleich immer weiter abrutscht – und welche Rolle Migration, Sprache und Integration dabei spielen. Zugeschaltet war Wolfgang Büscher, Sprecher des Kinderhilfswerks Arche in Berlin.

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NIUS: „Herr Büscher, Sie arbeiten jeden Tag mit Kindern und Jugendlichen in Ihren Einrichtungen zusammen. Sie helfen beim Hausaufgabenmachen, betreuen auch Schüler aus schwierigen Herkunftsregionen und aus schwierigen Familien. Hat Sie das Ergebnis dieser UNICEF-Untersuchung, über das nun ganz Deutschland spricht, überrascht?“

Büscher: „Nein. Das erleben wir schon seit unzähligen Jahren. Wir bekommen immer mehr Hilferufe aus den Schulen. Man fragt uns: Könnt ihr eine Klasse Null bei uns betreuen? In den sogenannten Brennpunkten können 30 Prozent der Kinder, die in die erste Klasse kommen, kein einziges Wort Deutsch sprechen. Und als Arche sind wir in 40 Häusern in Brennpunkten über ganz Deutschland verteilt.

Das zieht natürlich das Niveau herunter, auch das der deutschen Kinder, die dort sind. Und wir machen regelmäßig Erhebungen bei uns in der Arche. Wir schauen zum Beispiel: Wie viele Kinder können ab der fünften Klasse nicht lesen und schreiben? Das sind etwa 40 Prozent. Das sind eigene Zählungen, die wir gemacht haben.

Es zeigt sich ganz klar und deutlich, dass wir Menschen mit schwierigen sozialen Bindungen, mit schwierigen sozialen Verhältnissen, in Randgebieten, in sogenannten Brennpunkten haben. Die Kinder gehen dann natürlich auch auf Brennpunktschulen. Dort sind sie zu 90 Prozent unter sich.

Und wenn man einmal überlegt, dass in einem Land wie Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, jedes Jahr 65.000 Kinder die Schule ohne Abschluss verlassen, dann ist das ein Desaster. Da fordern wir als Arche immer wieder: einen Ausbildungszwang, genauso wie einen Schulzwang. Wir vergessen 30 bis 40 Prozent der Kinder, und in der Politik wird das einfach nicht kapiert.

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