Deutschlands Industrie steckt nach Ansicht des Chefs des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich, Lars Brzoska, in einer tiefen strukturellen Krise und verliert gegenüber China zunehmend den Anschluss. Im Interview mit der Zeit beschreibt Brzoska den Aufstieg der chinesischen Konkurrenz als Folge jahrelanger deutscher Versäumnisse. Die Chinesen seien demnach in der Lage, immer bessere Produkte zu deutlich niedrigeren Preisen anzubieten.
Ein entscheidender Unterschied sei demnach die Arbeitsmoral. Er schildert den extremen Leistungsdruck in China, wo junge Studienabsolventen 20 Stunden täglich arbeiten würden, um schnell aufzusteigen. Deutschland solle deshalb wenigstens in der Industrie ohne Lohnausgleich zur 40-Stunden-Woche zurückkehren. Die weitere Reduzierung des Wochenpensums, wie von einigen Gewerkschaften gefordert, sei jedoch ein Irrweg: „So gehen wir kaputt, dann hat irgendwann gar keiner mehr Arbeit“, sagt er.
Zudem wirft er der deutschen Industrie einen Mangel an Kundenorientierung und Pragmatismus vor. Demnach hätten sich deutsche Firmen zu lange an der Veredelung von Produkten versucht, statt konsequent vom Kunden her zu denken. Viele Käufer bräuchten eben nicht das technisch Beste, sondern etwas, das schnell verfügbar und bezahlbar sei. Die wirtschaftliche Dominanz der Chinesen basiere gerade auf der Vorherrschaft in diesem „Midtech-Bereich“, wo große Stückzahlen erzielt werden.
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