Die deutsche Wirtschaftskrise trifft erstmals in größerem Umfang auch Führungskräfte. Nach Einschätzung der Familienunternehmerin Sophia von Rundstedt handelt es sich bei der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase in Deutschland nicht um eine konjunkturelle Delle, sondern um eine tiefgreifende strukturelle Krise. „Es ist eine Transformationskrise, die nicht so schnell wieder in eine Erholungs- und Aufschwungsphase wechselt“, sagte von Rundstedt im Interview mit dem Handelsblatt. Deindustrialisierung, geopolitische Spannungen und hohe Energiepreise setzten den Standort Deutschland dauerhaft unter Druck.
Besonders stark betroffen seien industrieintensive Branchen wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Chemieindustrie. Produktion werde zunehmend ins Ausland verlagert, während hierzulande desinvestiert werde. „Dort wird investiert, hier deinvestiert“, sagte von Rundstedt. Sie geht nicht davon aus, dass alle derzeit abgebauten Arbeitsplätze zurückkehren werden. Kostensenkungen allein reichten nicht mehr aus, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Nach Angaben von Rundstedt sind im Vergleich zu früheren Krisen deutlich mehr Führungspositionen vom Abbau betroffen. Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete 2025 rund 49.000 arbeitslos gemeldete Führungskräfte, nach 43.000 im Vorjahr. Diese Zahlen zeigten jedoch nur einen Teil des Problems, da viele Betroffene sich noch in Freistellungen befänden, als Berater arbeiteten oder zeitlich befristete Managementaufgaben übernähmen.
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