Ist die Affäre Wegner eigentlich eine Affäre Merz?

vor etwa 1 Stunde

Ist die Affäre Wegner eigentlich eine Affäre Merz?
Bildquelle: Tichys Einblick

Kai Wegner und Friedrich Merz haben viel gemeinsam. Beide kamen mit blauen Parolen ins Amt – wie übrigens auch andere Ministerpräsidenten der CDU/CSU –, die sie sofort nach der Wahl durch ein tiefrotes Handeln ersetzt haben. Beide haben ein Bild von sich selbst, das im allergrößten Widerspruch zu der Wahrnehmung fast aller anderen steht. Beide sind in der Lage, Dinge zu sehen, die außer ihnen niemand sieht.

Beide sind durchdrungen von dem Gedanken, ein Segen für ihr Land und die dort lebenden Menschen zu sein. Und beide erklären das mit wachsender Begeisterung diesen Begriffsstutzigen. Demütig und selbstkritisch, wie aber beide sind, entschuldigen sie deren mangelhafte Fähigkeiten, das von beiden erschaffene Paradies selbst zu erblicken, mit „Missverständnissen in der Kommunikation“. Und beide haben ein sehr eigenes Verständnis bei der Darstellung dessen, was andere als Realität bezeichnen.

Wegner, der regierende „Tennis-Bürgermeister Berlins“, so ein Parteifreund, der Wegner in einem Brief zum Rücktritt auffordert, hielt eine bemerkenswerte Rede, in der er seinen Nichtrücktritt und Nichtantritt ankündigte. Bild fasste diese längere Rede knapp zusammen mit den Worten: „Ich, ich, ich und noch mal ich“. Aber Wegner tritt natürlich nicht zurück. Warum auch? Seine, allerdings nur von ihm wahrgenommene Erfolgsbilanz ist makellos und einzigartig.

Wegner tritt also nicht mehr an. Allerdings scheint selbst dieser zaghafte Schritt nicht seine Entscheidung gewesen zu sein. Der Tagesspiegel schreibt, dass er auch nicht mit Merz persönlich, so wie er zunächst behauptete, gesprochen habe. In Berlin wird demnächst gewählt, und selbst der CDU scheint klar zu sein, dass Wegner wohl nicht der optimale Kandidat ist. Allerdings scheint man auch in der CDU Verständnis dafür aufzubringen, dass die Länge der Amtszeit auch Folgen für eine spätere monetäre Ausstattung haben könnte.

Wegner hatte am 5. Januar im RBB erklärt, er habe „einmal mehr mit dem Bundeskanzler“ gesprochen. Auch die Berliner Senatskanzlei hatte zuvor von einem persönlichen Telefonat zwischen Merz und Wegner am 4. Januar gesprochen. Das Kanzleramt stellt diese Darstellung nun ausdrücklich in Abrede. Aus einem Schreiben des Kanzleramts an das Berliner Verwaltungsgericht geht hervor, dass der Kanzler während des Stromausfalls „kein persönliches Gespräch“ mit Wegner geführt habe – weder telefonisch noch persönlich.

Das Brisante daran ist , dass auch das Bundeskanzleramt zunächst erklärt hatte, Wegner habe am ersten Tag des Blackouts mehrere Gespräche, unter anderem mit Merz, geführt. Später korrigierte es diese Darstellung und erklärte, der Kanzler sei lediglich „eingebunden“ gewesen. Die ursprünglichen Angaben seien auf ein „Missverständnis in der Kommunikation“ zurückzuführen.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel