Am Mittwochabend fand ein Sonderformat des Spiegel-Spitzengesprächs mit Angela Merkel live im Admiralspalast in Berlin statt. Dabei ging es auch um das Jahr 2015 und ihre Entscheidung zur Grenzöffnung sowie den Aufstieg der AfD, wie der Tagesspiegel berichtet. Vor zehn Jahren habe sie sich die Frage gestellt: „Wie reagiert Europa, wenn Menschen in einer Notsituation bei uns an der Tür klopfen? Begegnen wir ihnen mit Würde oder setzen wir Wasserwerfer ein? Das wäre nämlich die Alternative gewesen.“ Allerdings hätte sie Letzteres als unwürdig empfunden.
„Von der Idee, den einen Schuldigen zu finden, wird die Zukunft nicht besser“, antwortet sie, auf die Frage nach der Polarisierung in der Gesellschaft angesprochen. „Wenn’s hilft, bin ich eben schuld.“ Mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ habe sie laut Welt Bürgermeister und Ehrenamtliche ermutigen wollen. Sie habe einen gewissen Frust gespürt, dass nach der gerade bewältigten Eurokrise 2015 sich schon die nächste Krise abzeichnete. „Das haben wir geschafft, das schaffen wir jetzt auch“, habe sie bei einer Vorbesprechung zur Pressekonferenz gesagt.
Daraufhin habe ihre Büroleiterin geantwortet: „Dann sagen Sie es doch so: ‚Wir schaffen das.‘“ Zur Frage, ob die Integration gelungen sei, meinte die Alt-Kanzlerin, dass schon vieles erreicht, aber nicht alles geschafft worden sei. Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen wandte ein, dass es an Wohnraum und Lehrern fehle. Ein Drittel der Migranten habe noch keine Arbeit. Das dürfe man nicht unter den Tisch kehren, erwidert Angela Merkel. „Wir müssen auch ein gutes Wort sagen über die, die gekommen sind und alles tun, um einen Beitrag zu leisten.“
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