Vor etwas mehr als hundert Jahren galt Argentinien als Sehnsuchtsort für ein besseres Leben. Der lateinamerikanische Staat war damals durch Getreide- und Rindfleischexport zu einem der reichsten Länder der Welt geworden. Einwanderer aus der ganzen Welt landeten per Schiff in Buenos Aires, um ihr Glück zu versuchen. In den vierzig Jahren vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wuchs die Wirtschaft um 6 Prozent im Jahr – so schnell wie kein anderes Land. Seither geht es bergab.
Falsche kurzsichtige politische Entscheidungen, die durch noch weniger richtige Entscheidungen noch kurzfristiger korrigiert werden sollten, waren maßgeblich für den argentinischen Abstieg verantwortlich. Dann der Versuch, die selbst erzeugten Probleme mit Geld zu lösen. Geld, das nicht verfügbar war, also gedruckt werden musste. In der Folge: Inflation, Korruption, Populismus, Staatsbankrott. Eine Abwärtsspirale, die, einmal in Gang gesetzt, nur schwer zu durchbrechen ist.
Es war für die große Mehrzahl der Argentinier ein traumatisches Erlebnis. Die, die bis dahin noch nicht verarmt waren, waren es auf einen Schlag. Ihre Altersvorsorge, ihr Erspartes war mit einem Federstrich entwertet. Durch die mit dem „corralito“ eingeführte strikte staatliche Kontrolle war ein Großteil der Argentinier, vor allem der Mittelstand, von heute auf morgen von fast jeder legalen Teilnahme am Wirtschaftsleben ausgeschlossen. Nur ganz, ganz wenige haben damals den Reibach ihres Lebens gemacht. Es waren diejenigen, die vorab wussten, was passieren würde und sich mit Dollar in bar in großen Mengen eingedeckt hatten.
Die spanische Zeitung „elmundo.es“ schreibt über die frühere Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner: „Der Mord an Fabián Gutiérrez, einem ehemaligen persönlichen Sekretär der ehemaligen argentinischen Präsidentin Cristina Fernández, hat die Skandale und Korruptionsverdächtigungen rund um den Kirchnerismus wieder in den Vordergrund gerückt. Gutiérrez wurde 2018 verhaftet und wurde dann ein reuiger Zeuge und prangerte die illegalen Provisionen an, die die derzeitige Vizepräsidentin und ihr 2010 verstorbener Ehemann Néstor über die Jahre hinweg gesammelt hatten. Das Ehepaar soll schwindelerregende Summen zwischen 10 und 21 Milliarden Dollar gestohlen haben, um sich persönlich zu bereichern und um einen Machtapparat durch Korruption zu speisen. Das Verbrechen der Person, die aussagte, wie Cristina Fernández mit Müllsäcken voller Geld umging, ist beunruhigend. Und es scheint zu zeigen, dass einige sehr an der Straffreiheit für die allmächtige Politikerin interessiert.“
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