Seit etlichen Jahren wird der Wähler von der Politik mit der Floskel eingelullt, dieses oder jenes sei „auf den Weg gebracht worden“, als handle es sich um eine Frage der Logistik. Der Weg endet dann regelmäßig als Sackgasse – wenn nicht gar am Abgrund.
In der Serie „Stromberg“ wird der Protagonist Bernd Stromberg, unfähiger Leiter der Abteilung Schadensregulierung bei der „Capitol“-Versicherung, immer wieder auf Projekte angesprochen, die eigentlich er ins Werk zu setzen hätte, was er aber regelmäßig versäumt. Ist er wieder einmal erwischt worden, pflegt sich Stromberg peinlich berührt an die Krawatte zu greifen und presst ein „Das … ääh … läuft“ hervor.
In der deutschen Politik ist das Äquivalent zu „Das … ääh … läuft“ einer der abgegriffensten Satzbausteine aus dem Phrasenbaukasten: Etwas sei „auf den Weg gebracht“ worden. Es bedeutet meist, dass ein Gesetzentwurf im Kabinett beschlossen wurde, eine Initiative gestartet ist oder eine Arbeitsgruppe eingerichtet wurde. Es suggeriert Handlungsfähigkeit und Aktivität, um zu verschleiern, dass noch nichts Greifbares vorzuzeigen ist. Die Floskel soll beruhigen, im Idealfall erkauft sich der Politiker noch etwas Zeit: Keine Sorge, die Lieferung ist auf dem Weg.
Nun kommt ein Amazon-Paket in aller Regel an. Meldet sich ein Verkäufer mit der Mail „Ihr Artikel wurde versandt“ oder „Ihre Lieferung ist auf dem Weg“, ist der Zeitpunkt der Ankunft absehbar. Nicht so in der deutschen Politik, die sich – Gerhard Schröders Agenda 2010 ist lange her – seit vielen Jahren in Ankündigungen erschöpft, während sich an Reformen, geschweige denn Verbesserungen, nichts erblicken lässt.
Im NIUS-Buch „Links – Deutsch, Deutsch – Links“ schreibt Mitherausgeberin Pauline Voss: „Der Weg ist das Ziel, und das gilt erst recht für den Weech, denn wer Dinge auf den Weech bringt, ahnt, dass sie niemals am Ziel ankommen. Etwas auf den Weech zu bringen, ist die Simulation von Tatkraft, es täuscht Bewegung vor, wo Stillstand herrscht.“ Und: „Passionierter Auf-den-Weech-Bringer ist Bundeskanzler Friedrich Merz, der bereits so viele Projekte auf den Weech gebracht hat, dass der Weech aus dem Sondervermögen Infrastruktur kernsaniert werden muss.“
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte viel an und setzte kaum etwas um.
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