Nein, Bulgarien wird kein Diener Russlands

vor 3 Monaten

Nein, Bulgarien wird kein Diener Russlands
Bildquelle: Tichys Einblick

Es ist wie ein Pawlowscher Reflex: Mantra-gleich leierten die Medien nach dem Wahlsieg von Rumen Radew in Bulgarien das Narrativ herunter, hier sei erschreckenderweise ein „neuer Orbán“ und „Putin-Freund“ an die Macht gekommen. Das einzige, was Rumen Radew mit Orbán gemein hat ist, dass er rechnen kann. Russisches Öl ist billiger als alles andere, also besser für die Bürger. Radew will deswegen mit Moskau ins Gespräch kommen.

Einen dezidiert pro-russischen Kurs wird Radew aber schon deswegen nicht fahren wollen, weil „die einst sehr starken Sympathien im Volk für Moskau seit der russischen Invasion der Ukraine deutlich abgenommen“ haben, sagt Tihomir Bezlov vom liberalen Think Tank „Center For The Study Of Democracy“ (CSD) in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Russlands Präsident Wladimir Putin finden in Meinungsumfragen nur noch 20 Prozent der Befragten gut. Bezlow meint, dass Radew einen gemäßigten Kurs fahren wird, aber „bei manchen Themen mag er Konflikte mit der EU riskieren“.

Dennoch wird in westlichen Medien als Reaktion auf die Wahl eine russische Drohkulisse aufgebaut. Folgenden Artikel der Deutschen Welle muss man ganz zu Ende lesen, um nach dunklen Warnungen, Radew sei ein Liebling des russischen Geheimdienstes, schließlich zu erfahren, dass er mit liberalen Reformern ein Bündnis suchen will, um Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen. Und dann der letzte Satz: „Gegenüber der nationalistischen, pro-russischen Partei ‚Wiedergeburt‘ hat der Wahlsieger dagegen bisher keinerlei Kooperationsbereitschaft gezeigt.“ Nanu? Was für ein Russenfreund ist das denn?

Doch der Reihe nach. Bulgariens Bürger hatten es nach sieben Wahlen ohne Regierungsmehrheit sichtlich satt und stellten sich hinter den einen Mann, der so etwas wie Stabilität suggerierte: Rumen Radew, Staatspräsident seit 2017, davor (seit 2014) Chef der bulgarischen Luftwaffe. Karrieresoldat. Seine acht Jahre als Präsident verliefen ohne schmierige Skandale, während es im Parlament teilweise zuging wie im Theater und das einzige verlässliche Element der bulgarischen Politik die Geschäftemacherei seiner Politiker zu sein schien.

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