Der öffentlich-rechtliche Rundfunk produziert seit Jahren in regelmäßigen Abständen Dokumentationen über angeblich „gefährliche“, „rechtsradikale“, „sekten-hafte“ Christen, Katholiken und sogenannte „Christfluencer“. Die Narrative, die dort gesponnen werden, sind jedes Mal dieselben. Doch mittlerweile haben die dort vorkommenden Christen keine Angst mehr, wenn wieder einmal eine solche „Recherche“ erscheint.
Im Gegenteil: Sie nutzen ihre starken medialen Reichweiten, um sich über ARD und ZDF lustig zu machen und über die wahren Sachverhalte aufzuklären.
Wieder einmal wurde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine recht oberflächliche Dokumentation über einflussreiche katholische und christliche Bewegungen ausgestrahlt. „Botschaften, die verfangen. Massenhaft. Willkommen in der Welt charismatischer Erneuerungsbewegungen“, sagt eine Stimme im Off. Kurz danach hört man bedrohlich klingende Musik. Ein Riesen-Kreuz erscheint auf dem Bildschirm, dazu der Titel der im Dezember ausgestrahlten ARD-Dokumentation: „Die hippen Missionare. Mit Jesus gegen die Freiheit?“
Am 16. Dezember erschien diese Doku im Bayerischen Rundfunk über angeblich „gefährliche Christen“.
Nicht einmal eine Minute ist vergangen und schon dünkt einem: Den Journalisten geht es nicht um objektive Berichterstattung und Beschreibung. Sie wollen kritisch einordnen. Man kommt um das Gefühl nicht herum, Andreas Herz und Ralph Gladitz wollen die in ihren Augen unaufgeklärten und naiven Zuseher warnen: „Doch hinter der hippen Instagram-Fassade zeigen sich auch erzkonservative bis reaktionäre Botschaften.“ So wird die Doku in der ARD-Mediathek beschrieben. Zur Erklärung: In der rund 45-minütigen Doku werden drei stark wachsende charismatische Gruppierungen ins Visier genommen – das überkonfessionelle Gebetshaus in Augsburg mit dem Gründer Johannes Hartl, die katholische Loretto-Gemeinschaft und die aus den USA kommende katholische FOCUS-Bewegung.
Ganze zwei Jahre hatten die beiden ARD-Journalisten Zeit zum Recherchieren. Sie haben „exklusive Einblicke gewonnen“, steht in der Beschreibung weiter. „Die Dokumentation taucht tief ein.“ Wer jetzt erwartet, den Machern sei der ganz große Coup gelungen – Aufdeckung von sexuellem und/oder geistlichem Missbrauch, Veruntreuung von Geldern, Sexskandale, ein Plan zum Sturz der Demokratie und Aufrichtung einer Theokratie –, der irrt. Die beitragsfinanzierten Journalisten haben anscheinend in zwei Jahren „recherchiert“, was jeder auf der Website der entsprechenden Gruppen nachlesen kann: Die geistlichen Angebote – von Konferenzen bis hin zu mehrmonatigen Schulungen für junge Leute – kosten Geld! Und müssen von den Teilnehmern aus eigener Tasche bezahlt werden! Das ist anscheinend schwer vorstellbar für Menschen, die von den Pflichtbeiträgen anderer Menschen leben.
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