Bei der vorgezogenen Bundestagswahl, der „Willy-Wahl“ am 19. November 1972 lag die Wahlbeteiligung bei 91 Prozent. Ob wir das wieder schaffen? Diese Zahl zeigt, wie innerlich zerstritten und polarisiert das Land wegen der Gesellschaftspolitik Willy Brandts, der Person und der Ostpolitik, war. Die SPD erzielte 45,9 Prozent der Stimmen, was ungefähr so viel ist wie vermutlich Union und SPD am Sonntag zusammen zustande bringen werden, wenn es gut für die beiden ausgeht; es könnte auch weniger sein. 1972 war übrigens das erste Mal, dass 18-Jährige wählen durften.
Rückblickend war es eine Idylle, auch wenn die Straßen und Plätze damals mit Demonstrationszügen gegen Brandts Ostpolitik voll waren. Damals demonstrierte man gegen die Regierung, nicht mit Hilfe von staatsnahen Organisationen für die Regierung.
Heute geht es inhaltlich um mehr: Um die Bewältigung der Migrationskrise; darüber wurde ein paar Tage im Bundestag gestritten und dann hat Friedrich Merz klammheimlich seinen 5-Punkte-Plan wieder eingedampft.
Die Energiepolitik wurde ausgespart, wobei klar ist: Zu hohe Preise und zunehmend nur noch gelegentliche Verfügbarkeit des wichtigsten „In-Put-Faktors Energie“ (auch ein Wahlkampfthema 1972) sind die Ursache der Deindustrialisierung, die nach dem entwirtschafteten Ruhrgebiet jetzt auch die Mittelstandszentren in Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg ausradiert.
Der „blaue Himmel über der Ruhr“ war ein Willy-Thema, heute sieht man das Blau vor lauter Windrädern nicht mehr und es wird durch bläulich schimmernde Solar-Meere ersetzt. Umwelt spielt keine Rolle mehr, sie ist nur noch Input-Faktor für die grüne Transformation. Die Behauptung blieb Außenministerin Annalena Baerbock vorbehalten, dass man ja jetzt mit Wasserstoff die Schwerindustrie zur alten Weltgeltung führe könne. Aha. Grüner Pustekuchen statt Substanz, nur das Kleid war neu in damenhafter Eleganz: ein Fortschritt zur Birkenstock-Herkunft.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











