Das brisante Blair-Manifest: „Die Menschen wissen, dass die aktuelle Debatte über den Klimawandel von Irrationalität durchzogen ist”

vor etwa 1 Jahr

Das brisante Blair-Manifest: „Die Menschen wissen, dass die aktuelle Debatte über den Klimawandel von Irrationalität durchzogen ist”
Bildquelle: NiUS

Tony Blair war von 1997 bis 2007 Premierminister von Großbritannien und noch länger Vorsitzender der sozialdemokratischen Labour-Partei auf der Insel. Nun wirbt der Ex-Briten-Premier für eine Umkehr in der Klimapolitik.

NIUS präsentiert das auf Deutsch übersetzte Vorwort seiner Publikation „Das Klima-Paradoxon: Warum wir beim Klimaschutz neu ansetzen müssen“:

Die Menschen wissen, dass die aktuelle Debatte über den Klimawandel von Irrationalität durchzogen ist. Zwar akzeptieren die meisten, dass der Klimawandel real ist und durch menschliches Handeln verursacht wird – aber sie wenden sich von der Klimapolitik ab, weil sie die vorgeschlagenen Lösungen für nicht durchdacht halten.

Klima-Aktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer (r) bei einem Streik in Berlin. Die meisten Menschen spüren längst, dass die Debatte über den Klimawandel von Irrationalität durchzogen ist.

In den Industrieländern entsteht das Gefühl, man solle finanzielle Opfer bringen und den Lebensstil ändern, obwohl klar ist, dass der Einfluss auf die globalen Emissionen gering ist. Unabhängig von der historischen Verantwortung der entwickelten Welt erkennen selbst Laien, dass künftig vor allem die Entwicklungsländer die Hauptverursacher von Emissionen sein werden.

In der Entwicklungswelt wiederum wächst der Unmut darüber, dass notwendige Investitionen in ihre Energieversorgung verweigert werden, weil diese nicht „grün“ genug sei. Sie sehen – zu Recht – ihr Entwicklungsrecht verletzt, und empfinden es als unangebracht, dass diejenigen, die sich mit fossilen Energien entwickelt haben, ihnen vorschreiben wollen, wie sie es anders tun sollen.

Es gab eine Phase – insbesondere nach dem Pariser Abkommen 2015 –, in der die globale Klimapolitik wie ein Aufbruch wirkte. Doch dieser Schwung wurde – verstärkt durch externe Schocks wie Covid und den Ukrainekrieg – von einer Gegenbewegung abgebremst, die die gesamte Agenda ins Wanken bringt.

Aktivisten haben das Thema Klimawandel in die politische Mitte getragen. Das hat bedeutende Fortschritte gebracht – bei erneuerbaren Energien, bei der Energieeffizienz und beim politischen Engagement vieler Staaten.

Doch angesichts des globalen Wachstums und der Entwicklungsdynamik reichen die bestehenden Maßnahmen nicht aus – schlimmer noch: Sie treiben die Debatte in eine Richtung, in der unrealistische Forderungen dominieren, die sich politisch nicht umsetzen lassen.

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