Das Spiel der Geschlechter beim Schachspiel und im Neuen Testament

vor 7 Monaten

Das Spiel der Geschlechter beim Schachspiel und im Neuen Testament
Bildquelle: Tichys Einblick

Ich finde es spannend, wie im Schachspiel die Geschlechterrollen entfaltet werden. Schach spiegelt die patriarchale Gesellschaft. Oben in der Hierarchie steht der männliche „König“. Wenn der spielentscheidende „König“ geschlagen wird, ist die Partie zuende. Doch erstaunlicherweise ist der „König“ eine ziemlich schwache Figur. Er darf sich zwar in alle Richtungen bewegen, aber jeweils nur ein einziges Feld. Selbst der rangniedrigste „Bauer“ darf in der Anfangsbewegung zwei Felder nach vorne gehen.

Es ist ausgerechnet die „Dame“, die gegenüber dem schwachen „König“ quasi ein Tausendsassa und Alleskönner ist. Sie kann in alle Richtungen gehen jeweils so weit und so viel sie möchte. Die „Dame“ ist die spielstärkste und damit wichtigste Person auf dem Feld. Wird einseitig die „Dame“ geschlagen, dann sieht auch der „König“ alt aus.

Die „Dame“ im Schach steht dafür, dass hinter der patriarchalen Fassade oft die Frauen spielentscheidend sind. Vorurteilsgeladene Begriffe wie „Patriarchat“ können einen auf die falsche Spur setzen. Bei meinen Eltern stand mein Vater immer im Vordergrund. Doch jeder, der hinter diese Fassade schaute, merkte: Es war die „Dame“, die beim Autofahren, bei den Finanzen, in der Erziehung und in Diskussionen oftmals beweglicher, sensibler, durchdachter und zielsicherer war.

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