Der entgleiste Abkanzler: Was seine Sprache über den Charakter von Friedrich Merz sagt

vor 8 Monaten

Der entgleiste Abkanzler: Was seine Sprache über den Charakter von Friedrich Merz sagt
Bildquelle: NiUS

Nicht zum ersten Mal haut Friedrich Merz von oben herab einen Spruch raus, den er lieber für sich behalten hätte. Das sagt einiges über die Persönlichkeit des Kanzlers aus, der sein Gefühl, nicht verstanden zu werden, mit oberlehrerhafter Rhetorik übertüncht.

Was hat Friedrich Merz da nur wieder geritten? Mit markigen Sprüchen hat er sich ja schon des Öfteren in vermintes Gelände begeben, aber die entsprangen meist spontan – diese Worte jedoch, gesprochen vor dem Handelskongress Deutschland, standen so im Redemanuskript:„Meine Damen und Herren, wir leben in einem der schönsten Länder der Welt. Und ich hab’ einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben. Die war’n alle froh, dass wir – vor allen Dingen aus diesem Ort, wo wir da waren – wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind in der Nacht von Freitag auf Samstag.“

In Form und Inhalt lässt einen diese Passage fassungslos zurück, vom Duz-Plural („wer von euch …“) bis zum schnoddrigen „froh, dass wir nach Deutschland zurückgekehrt sind“. Man kann Deutschland auch für ein sehr schönes Land halten, ohne die Gastgeber des Klimagipfels in Belém und im Grunde ganz Brasilien zu beleidigen. Davon abgesehen, dass mitunter 300 Sonnentage im Jahr, über 8.000 Kilometer Küste mit einigen der schönsten Strände der Welt, Naturvielfalt mit Regenwald und Wasserfällen, Samba, Tanz, Strandkultur, Caipirinha auf der Straße, Karneval und Fußball sowie ein entspannter Lebensrhythmus auch etwas für sich haben sollen.

Merz aber kanzelt das Land nach seinem Kurzbesuch ab, um Deutschland aufzuwerten. Derart verächtlich von „diesem Ort, wo wir da waren“, zu sprechen, steht einem Bundeskanzler nicht gut zu Gesicht. Merz erinnert hier an den alten Witz, in dem ein Mann nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub von den Kollegen gefragt wird, wie es denn in Brasilien so war. Und er sagt: „Ach, ich hatte den Eindruck, da gibt’s nur Fußballspieler und Nutten.“ Sagt sein Chef: „Sie wissen schon, dass meine Frau Brasilianerin ist?“ Und der Mann stottert: „Oh …, äh… bei welchem Verein spielt sie denn?“

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