Die Biografie Horst Mahlers gilt den meisten, die sich mit ihm beschäftigten, als Geschichte des größten denkbaren Bruchs. Sein Weg vom Mitgründer der RAF und verurteilten Linksterroristen zum NPD-Mitglied und verurteilten Holocaustleugner ähnelte zwar der Biografie anderer Generationsgefährten, etwa der von Bernd Rabehl, der es vom SDS-Aktivisten zum Bundespräsidentenkandidaten von NPD und DVU brachte. Aber niemand maß die Extreme in beiden Richtungen so weit und bis zur Selbstzerstörung aus wie der Mahler, der am Sonntag im Alter von 89 Jahren in Berlin starb.
Die Geschichte seines Lebens über den ideologischen Graben hinweg verstellt den Blick auf die Kontinuität. Sein Verhältnis zur Welt definierte er schon mit Anfang dreißig, um es dann bis zu seinem Tod nicht mehr zu ändern. Er wollte zu allen Zeiten ganz außen stehen, weil er meinte, die Gesellschaft von dieser Position aus am besten zu überblicken. Dieses feste, eisern durchgehaltene Muster führt zu der Frage, ob in seinem Leben überhaupt ein politischer Bruch stattfand. Er selbst sah das nicht so. Dreierlei zieht sich durch seine Biografie, die er als konsequenten Kurs wahrnahm: Gerichte, Gefängnis, Antisemitismus.
Der 1936 im niederschlesischen Haynau geborene Mahler wuchs in einer bürgerlichen Familie auf; beide Eltern bekannten sich zum Nationalsozialismus, sein Onkel Reinhold Nixdorf gehörte zu den führenden Kadern der SA in Niederschlesien. Dass SS-Mitglieder im Zuge der Säuberung nach dem vorgeblichen „Röhm-Putsch“ 1934 erschossen wurden, tat der Gesinnung von Mahlers Eltern keinen Abbruch.
Nach Kriegsende ließ sich die Familie in der Ostzone nieder, wo der junge Horst Mahler 1949 zum ersten Mal in eine politische Organisation eintrat: in die schon damals kommunistisch dominierte Freie Deutsche Jugend, kurz FDJ, die Jugendorganisation der SED. Eine Existenz ohne Politik gab es für ihn seitdem nicht mehr. Darin lag vermutlich auch ein großes Bedürfnis nach Halt in einer Gemeinschaft, die vor allem fest gefügt sein sollte, idealerweise durch innere Militanz und Druck von außen. Wie tief ihn im Alter von 13 Jahren der Suizid seines Vaters traf, dokumentierte er 1954 in seinem Lebenslauf, mit dem er sich, dann schon im Westberlin, für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes bewarb: „Über Nacht rückte alles, was ich einst für selbstverständlich hielt, in unerreichbare Ferne.“
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











