Deutschlands irrationale Reaktion auf Trumps Grönland-Politik

vor 6 Monaten

Deutschlands irrationale Reaktion auf Trumps Grönland-Politik
Bildquelle: Tichys Einblick

Am Ende kam es im Streit um die strategische Zukunft Grönlands, wie es kommen musste. Auf die Verlegung eines Mini-Kontingents europäischer Truppen auf die von Dänemark verwaltete Insel reagierte Washington mit einem substanziellen Hebel: der Zollpolitik. Dieses inzwischen gut eingespielte Instrument richtet sich nun gegen die acht Staaten, die sich an der Aktion beteiligt haben – darunter auch Deutschland, das mit einer Truppe von 15 Soldaten an dieser skurrilen Maßnahme partizipierte, die nach nur 44 Stunden bereits endete.

Ab dem 1. Februar soll zunächst ein Zusatzzoll in Höhe von zehn Prozent in Kraft treten. Ab dem 1. Juni, sollte sich an der Ausgangslage nichts geändert haben, stiege der Strafzoll dann auf 25 Prozent. Kommt es im Grönland-Streit zum handelspolitischen casus belli, wird dies direkte Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Geschehen haben. Besonders exportstarke Volkswirtschaften wie Deutschland könnten bis zu 0,3 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung einbüßen.

Worum geht es bei diesem Streit? Donald Trumps Interesse an der strategischen Kontrolle der Insel begründet sich doppelschichtig. Zum einen spielen die reichen Rohstoffvorkommen Grönlands, insbesondere bei den Seltenen Erden, eine entscheidende Rolle. Zum anderen geht es um die Kontrolle zentraler Seewege in der Arktisregion. Das Hauptaugenmerk Washingtons liegt auf der Kontrolle der Nordostpassage entlang Russlands sowie der Nordwestpassage entlang der kanadischen Küste. Diese Transportrouten zwischen Europa, Asien und Nordamerika könnten in Zukunft an strategischer Bedeutung gewinnen. Auch die Davisstraße zwischen Grönland und Kanada nimmt eine zentrale Rolle im strategischen Machtpoker Der USA ein. Sie gewährt Zugang zu bedeutenden Rohstoffgebieten. Die Nordatlantikregion gilt für die US-Regierung generell als unverzichtbar für die militärische Absicherung der eigenen Machtsphäre.

Trump betonte in den vergangenen Tagen mehrfach, dass sich weder die NATO noch die Europäische Union in den vergangenen Jahren substanziell gegen den wachsenden Einfluss Chinas und Russlands in dieser Region politisch positioniert hätten.

Diese Argumentation wirft zwangsläufig die grundsätzliche Frage nach dem plötzlichen Interesse Europas an Grönland auf. Ein sauberer Ausweg aus der Krise wäre zweifellos ein Referendum der teilweise autonomen Insel. Wie sich dieser Prozess weiterentwickelt, bleibt jedoch abzuwarten.

Die unmittelbaren Reaktionen aus der deutschen Wirtschaft und der europäischen Politik deuten jedenfalls darauf hin, dass man zunächst bereit ist, den Konflikt rhetorisch eskalieren zu lassen. Vertreter deutscher Wirtschaftsverbände sprechen von einer Kehrtwende in der US-Politik. VDMA-Präsident Bertram Kawlath kritisierte die Zölle als politisch motiviert und sprach mit Blick auf die neuen Zölle von einer absurden Forderung. Ähnlich äußerte sich DIW-Präsident Marcel Fratzscher, der warnte, Deutschland und Europa dürften sich im Handelsstreit mit den USA nicht länger erpressen lassen.

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