Ham’ Sie etwas Zeit für mich, dann schreibe ich ’nen Text für Sie. Von neunundneunzig kleinen Drohnen schreibe ich, die über Regierungsgebäuden fliegen und schemenhaft summend deutsche Flughäfen lahmlegen ...
Im fünfunddreißigsten Jahr der Deutschen Einheit – und die zurückliegenden Feierlichkeiten am vergangenen Freitag noch vor dem geistigen Auge – muss ich bei den ganzen kleinen Fluggeräten, die derzeit durch die Schlagzeilen geistern, an den „Nena“-Hit von 1983 denken. Die berühmten Luftballons hatten damals eine Weltgeltung erreicht, von der Kaiser Wilhelm nur geträumt (und sie versäumt) hat.
Im Liedtext halten Generale und Kriegsminister einen Schwarm Luftballons für die ganz große Nummer, schicken eine Düsenjägerstaffel und dann kommt sowas von sowas. „Mann, wer hätte das gedacht, dass es einmal so weit kommt.“ Nenas schmissige Mahnung zum Frieden und zur Zurückhaltung klingt im Jahr 2025 wieder ein bisschen so aktuell wie auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, nicht nur in den Ohren vieler Ostdeutscher. Weil die Menschheitsgeschichte offenkundig einen Sinn für Humor hat und Nena einem breiteren Publikum zuletzt wegen ihrer Äußerungen zur Corona-Politik auf den Radarschirm geriet, hagelt es online auch allerhand Vergleiche zwischen damals und heute. Genauer: Der ein oder andere wittert – oder besser, twittert – schon eine Verschwörung hinter phantomhaften Drohnensichtungen, die analog zur Pandemiepolitik den legalen Weg in den Ausnahmezustand ebnen sollen.
1984 konnte noch niemand ahnen, wie viel Prophezeiung in Nenas Song „99 Luftballons“ steckt.
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