Dieser Brief von „Reichsbürger“ Michael Fritsch fiel der Gefängnis-Zensur zum Opfer

vor 8 Monaten

Dieser Brief von „Reichsbürger“ Michael Fritsch fiel der Gefängnis-Zensur zum Opfer
Bildquelle: NiUS

Im Februar 2025 hielt der amerikanische Vizepräsident  J.D. Vance eine historische Rede. Darin kritisierte er, dass Europa sein höchstes Gut, die Meinungsfreiheit, nicht mehr hinreichend respektiert. In der Politik, dem Adressaten von Vance’ Kritik, kam die Rede eher schlecht an. Doch vielen Menschen machte sie Hoffnung, sie fühlten sich endlich verstanden. Und waren froh, dass die Kritik von so wichtiger Stelle kommt.

Einer dieser Menschen verfolgte die Rede aus seiner Zelle in der JVU Weiterstadt. Am 26. Februar schrieb er einen Brief. Doch der bewegende Brief des Ex-Polizisten Michael Fritsch an J.D. Vance durfte das Gefängnis nicht verlassen. Aus fadenscheinigen Gründen: Er sei „verfassungsfeindlich“. NIUS liegt der Brief vor sowie die Schreiben der JVU, in denen sie ihr Zensur rechtfertigt.

„Ich bitte Sie – bringen Sie uns Frieden und Freiheit.“ So endet ein Brief, den der frühere Polizist Michael Fritsch aus der JVA Weiterstadt an den US-Vizepräsidenten J.D. Vance schrieb, nachdem dieser auf der Münchener Sicherheitskonferenz gesprochen hatte (hier die ganze Rede). Fritsch, einst Polizeibeamter in Hannover, sitzt im sogenannten „Reichsbürger“-Verfahren in Untersuchungshaft – seit Dezember 2022. In seinem Brief an Vance versucht er, seine Geschichte zu erklären. „Von 1981 bis 2023 war ich Polizeibeamter in der Stadt Hannover. Die letzten zwei Jahre meiner Polizeikarriere war ich suspendiert und wurde schließlich im März 2023 aus dem Dienst entlassen, weil ich auf einer öffentlichen Bühne die Regierung und besonders ihre Corona-Regeln kritisiert habe.“

Michael Fritsch, Ex-Kriminalhauptkommissar, spricht am 13. März 2021 bei einer Demo. Die Veranstaltung war Teil der bundesweiten Hauptstädte-Demo „1 Jahr Lockdown – es reicht!“.

Er betont, er habe dabei nicht im Dienst gehandelt: „Es war ein Wochenende, ich war nicht im Dienst, ich trug keine Uniform. Bevor ich sprach, erklärte ich den Menschen natürlich, dass ich Polizist bin.“ Dann die entscheidende Passage: „Ich kritisierte die Corona-Regeln, weil sie gegen das Grundgesetz verstießen. Ich war einer der ersten Polizisten, die aufstanden und ‚Nein!‘ sagten.“

Es folgte ein politischer Absturz: „Als ich am nächsten Morgen im Büro erschien, wurde ich sofort suspendiert. Wenige Tage später durchsuchten zwölf Polizisten meine Wohnung. Danach wurde ich zum Staatsfeind erklärt.“ Behörden, Gerichte und Medien hätten ihn als „Reichsbürger“ oder „Nazi“ gebrandmarkt.

NIUS liegt der zensierte Haft-Brief exklusiv vor.

In seinem Schreiben an den amerikanischen Vizepräsidenten zeichnet Fritsch das Bild eines entgleisten Rechtsstaats: „Die deutsche Regierung – oder besser gesagt: die führenden deutschen Parteien – haben den Staat übernommen. Sie haben alle Sicherungen des Grundgesetzes zerstört oder ignoriert. Wenn jemand gegen sie aufsteht, erklären sie ihn zum Feind des Staates und vernichten ihn.“

Vance hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz scharfe Kritik an der politischen Situation in Deutschland und der EU geübt. Fritsch reagiert darauf mit offenen Worten: „Ihre Meinung und Beschreibung ist absolut korrekt! Sie haben recht, Herr Vizepräsident.“

Sein Brief schwankt zwischen anklagender Kritik und Hoffnung, nicht ohne Pathos. „Ihre Rede gab vielen Deutschen Hoffnung und Mut“, schreibt Fritsch. „Viele von uns hoffen, dass Menschen wie Sie, Präsident Donald Trump, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr. und andere aus Ihrem großartigen Team Freiheit und Frieden in die Welt bringen werden.“

Die Rede von J.D. Vance betonte vielfach die „gemeinsamen Werte“ zwischen Europa und den USA. In Europa würden diese Werte durch zunehmend autoritäre Politik verletzt, kritisiert er.

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