Es war erneut ein ganzer Abend randvoll angefüllt mit Trump-Derangement-Syndrom. Nie hatte man einen neu inaugurierten Präsidenten vom Panamakanal sprechen hören, merkte eine Reporterin auf BBC World an. Später soll Trump gar davon gesprochen haben, einen Berg umbenennen zu wollen. Veränderung, dieser bittere Trunk der Progressiven: Sie wollen sie angeblich, aber nur durch ihre eigenen Hände. Daneben waren auch die Politiker der US-Democrats entsetzt über die schiere Konkretion der Trumpschen Politik, alias der „Flut von exekutiven Anordnungen“, die schon am ersten Amtstag in dreistelliger Zahl erwartet wurden – Ausdruck eines Wahlsieges, wie er eindeutiger nicht hätte ausfallen können.
Nur die Ex-Bürgermeisterin von Chicago erläuterte wortreich, warum man die eigene Politik nicht an etwas so Flüchtigem wie einer Umfrage ausrichten könne. Lori Lightfoot – phänomenal gescheitert in den Unruhen nach dem Tod von George Floyd – sprach hier von den Umfragen, die zeigen, dass auch Wähler der Democrats mehrheitlich eine Abschiebeoffensive für illegale Zuwanderer befürworten. Chicago soll dennoch ein „sanctuary“ („Heiligtum, Zufluchtsort, Freistätte“) bleiben, in dem die illegalen Einwanderer nicht verfolgt werden. Wie „heilig“ oder „frei“ Chicago und viele andere US-amerikanische Großstädte darüber geworden sind, lässt sich kaum sagen.
Lightfoot, die hier nur als pars pro toto, als eine von vielen Stimmen aus der Demokratischen Partei steht, war der festen Meinung, dass nicht demokratische Abstimmungen zu gelten hätten, sondern ein nebulöses „Recht“, eigentlich die Angewohnheit juristischen Schlendrians, den man sich bewahren will. Nichts anderes also als in so vielen Ländern Europas, in denen auch immer wieder (internationales) Recht und Demokratie gegeneinander ausgespielt werden.
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