Buen día, so sagt man in Venezuela „Guten Morgen“ verehrte Leser, und wenn Sie das Gefühl haben, heute in einem anderen Jahrhundert aufgewacht zu sein, dann sind Sie soeben an den Richtigen geraten.
US-amerikanische Marineeinheiten sammeln sich derzeit in der Karibik, um militärischen Druck auf das sozialistische Maduro-Regime aufzubauen, ein Schnellboot des einflussreichen Drogenkartells „Tren de Aragua“ wurde von der Navy zerstört.
Was geschieht hier?
Kaum ein anderer aktueller Vorgang als jener vor der Küste Südamerikas ist geeigneter, um die eindrucksvolle Rückkehr des 19. Jahrhunderts und seiner geopolitischen Logik in allen Facetten zu erörtern. Die Erkenntnis, dass die Außenpolitik unserer Zeit wieder mit den Mitteln der militärischen Machtprojektion gestaltet wird, ist einer der Gründe, warum diese Kolumne notwendig und ihr Titel „Krieg und Frieden“ ist. Doch diese Erkenntnis ist nicht überall durchgedrungen, das ist der zweite, gewichtige Grund für ebendiese Texte: Die europäische Politik lebt in einem Paralleluniversum, in dem die Jahrtausendwende mit ihrem Multilateralismus, der Verrechtlichung internationaler Beziehungen und einer großen Portion globalisierten Fortschrittsglaubens in einer illusorischen Endlosschleife weiterläuft. Innerhalb der Gemeinschaft westlich geprägter Staaten mutiert die unterschiedliche Lesart der eigenen Epoche so schnell zur räumlichen Trennung, und diese Linie verläuft schnurstracks durch den Atlantik.
James Monroe war der fünfte US-Präsident und wurde berühmt für die „Monroe-Doktrin“, die erklärte, dass jede europäische Intervention in der westlichen Hemisphäre inakzeptabel sei.
Die Küste Venezuelas fällt in die amerikanische Hälfte. Hier gilt, offizielle Bezeichnungen hin oder her, die Logik der sogenannten „Monroe-Doktrin“, die das Wohl und Wehe südamerikanischer Staaten zu einer Binnenangelegenheit der Neuen Welt unter Aufsicht der USA erklärt. Entstanden war sie vor langer Zeit, als die Mächte der Alten Welt die Herrschaft über ihre Kolonien allmählich verloren und das Weiße Haus dafür Sorge tragen wollte, dass man diesen Zustand fortan akzeptierte. Ursprünglich also als anti-koloniale und durchaus anti-europäische Strategie angelegt – die US-Amerikaner hatten ihre eigenen Erfahrungen mit den Imperien Europas gemacht – wurde sie im Kalten Krieg angepasst, um die Ausbreitung des (sowjetischen) Kommunismus in Lateinamerika einzudämmen. Die Europäer hielten sich daran, wandten sich zunächst Afrika und Asien zu, teilten dann ein paar Jahrzehnte lang ohnehin die Interessen der USA und fanden sich schließlich in einer Situation wieder, in der ihr Augenmerk gänzlich den innenpolitischen Angelegenheiten galt. Während die ursprüngliche Monroe-Doktrin von 1823 noch die Aufteilung der Welt in zwei Hemisphären vorsah – eine Art reziproke Nichteinmischungspolitik zwischen Europa und Amerika, beinahe eine Art aufklärerischer Vertrag von Tordesillas – trat mit dem Ende des Kalten Krieges eine konkurrierende Doktrin in Erscheinung.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











