Kürzlich wartete der Münchner Merkur mit einer Schlagzeile auf, die besagte: „Große Mehrheit der Bayern meidet Elektroautos“. Laut Zahlen der Versicherungsgruppe HUK-Coburg sind lediglich 3,6 % aller bayerischen Autos im Privatbesitz rein elektrisch betrieben.
Umweltfreaks und deutsche Autohändler mit dem Blick aufs große Ganze mögen bei dieser Meldung geseufzt haben: „Ach, wenn es nur die Bayern wären…“. Trotz dieser geringen Quote liegt der Freistaat im bundesweiten Vergleich immer noch auf auf dem ersten Platz, am Ende der Skala rangieren Sachsen und Sachsen-Anhalt, obwohl dort mit BMW und Tesla große Autowerke Elektroautos produzieren.
Bemerkenswert ist, dass in Bayern die meisten E-Autos im Landkreis Starnberg unterwegs sind, wo im Bundesvergleich das Pro-Kopf-Einkommen und die Dichte der Bezieher hoher Einkommen statistisch am Höchsten ist. Was das Vorurteil stützt, dass Umweltschutz durch Fahren von Elektroautos ein Luxus ist, den sich überwiegend nur die oberen Einkommensklassen leisten können. Der sogenannte „kleine Mann“ bleibt außen vor.
Dieses Vorurteil wurde jetzt empirisch untermauert, der Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und der Bereitschaft zur Anschaffung eines Elektroautos ist durch ein Gutachten des Ökoinstituts im Auftrag der Organisation Transport & Environment (T&E) bestätigt worden. Das Ökoinstitut war beauftragt, nach Wegen zu suchen, Elektromobilität in Deutschland schneller voran zu bringen.
Demnach hat die bisherige Förderung von Elektroautos in Milliardenhöhe durch sämtliche Bundesregierungen in erster Linie Menschen mit hohem Einkommen erreicht. Etwa zwei Drittel der Kaufprämien sind an Haushalte mit monatlichem Nettoeinkommen von mehr als 4500 Euro geflossen. „Bisherige Fördermaßnahmen für E-Mobilität haben vor allem Besserverdienende erreicht. Menschen mit geringem Einkommen hingegen bleiben außen vor – obwohl gerade sie am stärksten unter steigenden Energiepreisen leiden und ältere Autos fahren. Social Leasing (SOLE) könnte diese Ungleichheiten adressieren“.
Diese Erkenntnis ist nicht neu. Nicht jeder kann sich ein eigenes Automobil leisten. Auch in Starnberg besitzen nicht alle ein Auto, auch in Starnberg sind nicht alle Autobesitzer reich, und nicht alle reichen Starnberger besitzen ein Elektroauto. Da klafft noch eine riesige Lücke – auch und vor allem bundesweit.
Tatsächlich ist das von der Ampel-Regierung einmal angepeilte Ziel von 15 Millionen Voll-Elektroautos (BEV) auf deutschen Straßen bis 2030 sang- und klanglos in der Schublade für „Fehlgeschlagene Regierungsprojekte“ verschwunden. Anfang Januar 2025 waren In Deutschland laut Kraftfahrzeug Bundesamt (KBA) gerade mal 1,65 Millionen Voll-Elektroautos registriert, knapp 3,5 % des Pkw-Gesamtbestands Deutschlands von 49,3 Millionen; etwa 47,7 Millionen Einheiten waren mit Verbrennungsmotor ausgerüstet.
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