Für Friedrich Merz ist alles eine Frage des Mindsets, Probleme liegen vor allem im Bewusstsein – er geht von einem Land aus, das man sich schön fühlen könnte. Und natürlich, man dürfe keine Larmoyanz zeigen, ein Wort, das Friedrich Merz in die deutsche Sprache wieder eingeführt hat und das in seiner ganzen oberlehrerhaften Piefigkeit nur an gescheiterte Eltern erinnert, die den Kontrollverlust über ihre Kinder durch autoritäres Getue kaschieren wollen. Über Scholz sagte der damalige Oppositionsführer Merz, der könne es einfach nicht. Jetzt meint er, die Deutschen könnten es einfach nicht – und hätten ihn im Prinzip einfach nicht verdient.
Jetzt der Rollenwechsel: „Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen“, sagt er dem Spiegel. Klingt wie eine Reaktion darauf, dass der Bus Verspätung hat – „sowas passiert auch nur mir“. Die Sätze von Friedrich Merz zeigen einen Kanzler, der schon nach Gründen sucht, warum es nicht geklappt hat – und der insgeheim schon aufgegeben hat.
Kein Wunder: Die Stimmung in Berlin fällt immer weiter. Und der Koalitionspartner genießt die Schwäche des Kanzlers fast schon sadistisch. Lars Klingbeil teilt aus, nur leicht verklausuliert in Richtung Friedrich Merz: „Wer so über die fleißigen Menschen in diesem Land redet, hat nicht verstanden, worum es geht.“ Bärbel Bas pöbelt am 1. Mai gegen Ideen (CDU-Ideen), den Sozialstaat zu kürzen: „Ich halte das für zynisch, menschenverachtend – und deshalb müssen wir uns dagegen wehren.“ Menschenverachtend! Gleichzeitig attackiert sie Katharina Reiche dafür, dass zu wenig Pläne da wären, den Industriestandort Deutschland zu erhalten.
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