Eine humane Gesellschaft braucht den metaphysischen Eros

vor etwa 1 Jahr

Eine humane Gesellschaft braucht den metaphysischen Eros
Bildquelle: Tichys Einblick

Das Christentum übernahm diese Trias, weil es sie in Christus, dem Mensch gewordenen Gott, auf vollkommene Weise verkörpert sah. Doch schon Platon hatte das Wahre, Gute und Schöne im Rahmen seiner Ideenlehre als eine metaphysische Größe begriffen: Bereits vor ihrer Inkarnation erblickt die menschliche Seele das Wahre, das Gute und das Schöne in seiner reinsten Form. Sie trägt diese Erkenntnis fortan in sich und ist erfüllt von dem Verlangen, sich dem ursprünglichen Idealzustand anzunähern. Platon nannte dies den Eros. Dieser Eros war für die Griechen die Grundlage für ein wahrhaftiges Menschsein. Das Christentum sublimierte den Eros zum Amor intellectus Dei, zur geistigen Gottesliebe, in der die menschlicher Existenz ihre Vollendung findet.

Diese metaphysischen Bezüge werden heute, im Zeitalter des Nihilismus, Materialismus und Relativismus infrage gestellt. Nirgends wird die Preisgabe der Metaphysik deutlicher als in der Theologie. Entgegen ihrem eigentlichen Auftrag sucht die „Lehre von Gott“ nicht mehr das göttliche Mysterium zu ergründen, sondern suggeriert dem Menschen, er könnten sich selbst erlösen, indem er sich auf „Augenhöhe“ mit Gott begibt. Das Göttliche wird in die Trivialität des Alltäglichen herabgezogen.

Innerhalb dieser innerweltlichen Sichtweise vollzieht sich die Fortentwicklung des Menschen nicht mehr in der Vertikalen, das heißt in der Erhebung der Seele und der Herzen zum Göttlichen, sondern in der Horizontalen, also im Rahmen eines rein technischen und sozialen Fortschritts. Mit dieser neuen Anthropozentrik geht zwangsläufig die Entwertung des Wahren, Guten und Schönen einher, wenngleich auf unterschiedliche Weise.

Das Gute wird durch die Abkoppelung von der Metaphysik vordergründig relativiert und subjektiviert. Gerade dies erleichtert es aber Ideologien und totalitären Systemen, Moral und Ethik durch die Hintertür wieder zu verabsolutieren – in ihrem Sinne.

Einer ähnlichen Instrumentalisierung ist die Kategorie des Wahren ausgesetzt. Wer den Anspruch erhebt, überzeitliche Wahrheiten zu verkünden, gilt als autoritär – es sei denn, er bedient die Glaubenssätze der herrschenden Eliten: die Klimareligion, das Corona-Dogma, die Flüchtlings-Doktrin oder den Kreuzzug gegen “rechts“.

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