Einfach nicht darüber reden: Wie Alt-Kanzlerin Angela Merkel zurückblickt

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Einfach nicht darüber reden: Wie Alt-Kanzlerin Angela Merkel zurückblickt
Bildquelle: NiUS

Sie ist wieder da. Zwölf Jahre bin ich als Bild-Reporter mit Angela Merkel unterwegs gewesen, habe sie auf fast alle Kontinente (die Polkappen waren nicht dabei) begleitet, im deutschen Wahlkampf und bei den Auftritten im Kanzleramt. Jetzt, kurz vor dem Erscheinen ihrer Memoiren, ist alles wieder da. Der gepredigte Multilateralismus (überstaatliche Kooperation), der schon damals nicht funktionierte, die seltsamen Widersprüche und die Unfähigkeit, Fehler zuzugeben.

„Wenn jemand in der Politik keine Win-win-Situationen zulässt, sondern immer nur Sieger und Verlierer kennt, dann ist das eine sehr schwierige Aufgabe für den Multilateralismus“, sagt Merkel im Interview mit dem Spiegel über ihre Schwierigkeiten mit Donald Trump.  Die Vorstellung eines fairen Ausgleichs zwischen Staaten ohne Bedacht auf Vorteil und Dominanz war weder im Umgang mit China noch mit Staaten in Afrika, innerhalb Europas oder anderen Teilen der Welt realistisch. Trump lebt dies lediglich sehr ungewohnt offen, zum Teil grob und völlig unverbrämt aus.

Ihre seltsame Art sich aus- und um die Dinge herumzudrücken: „Das war ja nie mein Stil. Ich habe, vielleicht geprägt auch von der DDR-Zeit, gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Dieses gegenseitige Übertrumpfen in vermeintlicher Klarheit halte ich nicht für eine politische Tugend. Es kann so viel Schlimmes passieren, dass ich die Superlative im Positiven wie im Negativen nicht vergeuden möchte.“ Lieber im Ungefähren bleiben. Lieber die gezielte Anscheinserweckung pflegen, als später für Klarheiten in Haftung genommen werden.

Die zukünftige Bundeskanzlerin bei einem Camping-Ausflug in der DDR.

Trump war in jeder Hinsicht der größte Gegenpol zu Merkel und auch ihre größte Herausforderung: „Trump war sehr neugierig, wollte Details ganz genau wissen. Aber nur, um sie auf den eigenen Vorteil hin abzutasten, um Argumente zu finden, die ihn stärken und andere schwächen. Je mehr Menschen im Raum waren, desto größer war sein Drang, der Sieger zu sein. Man kann mit ihm nicht plaudern, jede Begegnung ist ein Wettkampf: Du oder ich.“ Diesem Stil dürfe man sich auf keinen Fall anpassen, sagt Merkel: „Auf keinen Fall, sonst kriegt man politisch ja gar nichts mehr hin.“

Ich habe das immer erstaunlich gefunden, wie jemand in einer bürgerlichen, ursprünglich konservativen Partei Karriere machen konnte und doch einen idealistischen Politikstil pflegen: „Er ist für die Welt, insbesondere den Multilateralismus, eine Herausforderung. Was uns jetzt erwartet, ist wirklich nicht ohne“, sagt sie über Trump. Merkel hat Bücher von Machiavelli, historischen und lebenden Regierungschefs und Geschichtsanalysen gelesen, wie eine Art Volksschul-Lehrgang im Regieren. Doch die vermeintliche „Physikerin der Macht“ hat im Angesicht der realen Machtpolitik einen oft weltfremden Multilateralismus verfolgt, der gerade auf den regelmäßigen G7- und G20-Gipfeln allenfalls durch immer windigere Papiere als schöne Illusion aufrecht zu erhalten war.

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