Der Ölmarkt ist ein Spiegel geopolitischer Verwerfungen und pendelt im Rhythmus täglicher Ereignisse. Seine geradezu erratische Reaktion auf die Sperrung der Straße von Hormus und die in Brand gesetzten Öldepots im Iran und im irakischen Grenzgebiet deutete am frühen Handel am Montag auf eine massive Eskalation des Iran‑Konflikts hin. Wer jedoch zeitgleich einen Blick auf die Terminkurve des WTI‑Kontrakts warf, konnte feststellen, dass die Märkte eine Dauer des Konflikts von nicht mehr als zwei Monaten einpreisten.
Der rasche Anstieg von 93 Dollar je Barrel auf zeitweise über 110 Dollar spiegelte somit lediglich einen kurzfristig drohenden Lieferengpass wider (Apollo News berichtete). Die schlechten Nachrichten kulminierten: Zunächst kündigte der größte maritime Versicherer der Welt, Lloyds, gemeinsam mit dem Londoner Versicherungskonglomerat, die Beendigung der Versicherungen für wartende Öltanker und Gastanker im Golf von Hormus an – sowie weitreichende Überprüfungen der sogenannten War‑Risk‑Deckungen in Folge des Konflikts und der erhöhten Risiken in der Region.
Qatar Energy erklärte Force Majeure und meldete einen wochenlangen Produktions‑ und Lieferstopp. Die Lager sind zwar voll, doch der Transport ist nicht mehr möglich. Hauptleidtragende sind die Europäer, deren Ökonomien dringend auf die Lieferung von Energiebeständen aus dem Nahen Osten sowie den Vereinigten Staaten und Russland angewiesen sind.
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