In der SPD brodelt es. Während die Parteiführung noch versucht, die Reihen hinter Kanzler Olaf Scholz zu schließen, werden die Rufe nach einem Wechsel an der Spitze immer lauter. Nun haben sich laut einem Bericht des Spiegel erstmals auch Bundestagsabgeordnete offen gegen eine erneute Kanzlerkandidatur von Scholz ausgesprochen. Auch eine Mehrheit der SPD-Anhänger spricht sich laut einer neuen Umfrage mittlerweile für Verteidigungsminister Boris Pistorius als Ersatz-Kanzlerkandidaten aus.
Bei einem Treffen des einflussreichen Seeheimer Kreises soll es laut dem Bericht zu einem regelrechten Aufstand gegen den amtierenden Kanzler gekommen sein. Besonders deutlich wurde demnach der rheinland-pfälzische Abgeordnete Joe Weingarten. Scholz sei bei den Menschen im Land „unten durch“. Dies gelte bis tief in die SPD-Ortsvereine hinein und werde sich auch nicht mehr ändern. Ohne einen Wechsel an der Spitze drohe der SPD bei der Bundestagswahl im Februar ein „Desaster“. Laut des Abgeordneten Christian Schreider seien die Parteimitglieder nicht mehr zu motivieren. Sie wollen für Scholz keinen Wahlkampf machen. Als Alternative bringen die Abgeordneten Verteidigungsminister Boris Pistorius ins Spiel, der in Umfragen deutlich beliebter ist als der glücklose Kanzler.
Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering fordert eine offene Debatte über die Kanzlerkandidatur. „Kanzlerkandidatur ist kein Spiel, das zwei oder mehr Kandidaten abends beim Bier oder beim Frühstück vereinbaren oder das ein Vorrecht auf Wiederwahl umfasst“, sagte der ehemalige Vizekanzler dem Tagesspiegel. Die Wahl eines Kanzlerkandidaten müsse auf einem SPD-Parteitag erfolgen. Und weiter: „Selbstverständlich sind Gegenkandidaturen in der eigenen Partei grundsätzlich möglich und kein Zeichen von Ratlosigkeit. Sie sind praktizierte Demokratie.“
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