Die EU plant eine der teuersten Gebäuderenovierungen ihrer Geschichte: Das erst 30 Jahre alte Justus-Lipsius-Gebäude, der Hauptsitz des Rates der Europäischen Union im Herzen des Brüsseler EU-Viertels, soll umfassend modernisiert werden. Die veranschlagten Kosten liegen laut internen Projektunterlagen bei mindestens 803 Millionen Euro. Sollte ein Teil davon über Kredite finanziert werden, steigen die Gesamtausgaben durch Zinsen auf weit über 1,1 Milliarden Euro.
Das Gebäude, das erst 1995 eröffnet worden ist, gilt somit keineswegs als historischer Altbau. Dennoch wird es als „sanierungsbedürftig“ eingestuft – vor allem, weil es den eigenen klimapolitischen Vorgaben nicht mehr entspricht. Die EU verpflichtet sich in ihrer Gebäuderichtlinie, die energetisch schlechtesten 16 Prozent der von ihr genutzten Immobilien bis 2030 umfassend zu renovieren. Ob dies aus technischer Sicht zwingend notwendig ist oder vor allem politischem Symbolhandeln entspringt, darüber wird nun gestritten.
Hinzu kommen sicherheitspolitische Vorgaben. In den Ratsunterlagen ist von „verstärktem Schutz gegen Explosions- und Angriffsszenarien“ die Rede. Brüssel gilt spätestens seit den Terroranschlägen 2016 als ein sensibler Ort politischer Infrastruktur, weshalb Schutzmaßnahmen heute weit über die Statik hinausgehen. Während der Arbeiten soll der Ratsbetrieb weiterlaufen, was die Kosten zusätzlich erhöht. Vermutlich müssen Räumlichkeiten in Brüssel angemietet werden, um Konferenzen, Staatsbesuche und Medienzentren während der Bauzeit aufrechtzuerhalten.
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